Neue intermediäre Ankaufstrukturen schaffen, mit denen Bewohner*innen ihre Häuser gemeinschaftlich sichern können.
Viele Mietshäuser wurden in den vergangenen Jahren in Eigentumswohnungen aufgeteilt. Die unmittelbare Verdrängung beginnt oft erst Jahre später, wenn Wohnungen verkauft und Eigenbedarfskündigungen ausgesprochen werden. Zwischen Aufteilung und tatsächlichem Wohnraumverlust liegt jedoch häufig ein Zeitraum, in dem sich Hausgemeinschaften organisieren und gemeinsame Handlungsstrategien entwickeln können.
Der Ansatz verbindet bestehende Förderinstrumente mit einer neuen intermediären Ankaufstruktur. Organisierte Hausgemeinschaften sollen dadurch zu handlungsfähigen Akteuren werden, die ihre Häuser gemeinschaftlich sichern können.
Nicht die Genossenschaft steht am Anfang – sondern die Hausgemeinschaft
Der Ausgangspunkt dieser Strategie ist nicht eine bestehende Genossenschaft, sondern die Organisation der Bewohner*innen selbst.
Erst wenn sich Mieter*innen als Hausgemeinschaft zusammenschließen, gemeinsame Ziele entwickeln und Verantwortung übernehmen, können sie zu einem handlungsfähigen Akteur werden. Aus einer zunächst losen Nachbarschaft entsteht so ein Partner, der gemeinsam mit professionellen Trägern einen gemeinschaftlichen Ankauf vorbereiten kann.

Bestehende Förderinstrumente neu zusammenführen
Berlin verfügt bereits über Förderinstrumente für den Erwerb von Wohnraum durch Genossenschaften.
Dabei greifen zwei Ebenen ineinander:
- Förderung von Genossenschaften durch zinslose Darlehen für den Bestandsankauf.
- Förderung der Mitglieder durch zinslose Darlehen für den Erwerb von Genossenschaftsanteilen.
Bislang werden diese Instrumente überwiegend im Neubau oder beim klassischen Bestandserwerb genutzt. Die hier vorgeschlagene Strategie besteht darin, beide Förderwege gezielt für organisierte Hausgemeinschaften in aufgeteilten Häusern zusammenzuführen.
Eine kooperative Ankaufstruktur könnte den entscheidenden Unterschied machen
Damit organisierte Hausgemeinschaften tatsächlich ankaufsfähig werden, braucht es eine professionelle intermediäre Struktur.
Sie könnte insbesondere drei Aufgaben übernehmen:
- Beratung der Hausgemeinschaften und Begleitung ihrer Selbstorganisation.
- Projektentwicklung mit Prüfung, Verhandlung, Finanzierung und Prozesssteuerung.
- Inkubator zur Entwicklung geeigneter Trägerstrukturen, beispielsweise als Dachgenossenschaft für einzelne Hausgenossenschaften.
Getragen werden könnte eine solche Struktur gemeinschaftlich durch kommunale Strukturen und gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen bzw. Genossenschaften. Sie würde nicht selbst Häuser erwerben, sondern die Voraussetzungen schaffen, damit organisierte Hausgemeinschaften dies gemeinsam mit geeigneten Trägern tun können.
Aus Nachbarschaften werden handlungsfähige Akteure
Der gemeinschaftliche Ankauf ist deshalb weit mehr als ein Finanzierungsmodell.
Er beschreibt einen Entwicklungsprozess:
- Aus einzelnen Mieter*innen wird eine organisierte Hausgemeinschaft.
- Aus Beratung entsteht Handlungsfähigkeit.
- Aus einer Idee entsteht eine tragfähige Trägerstruktur.
- Aus bestehenden Förderinstrumenten wird eine realisierbare Finanzierung.
- Aus einem gefährdeten Mietshaus kann dauerhaft gemeinwohlorientierter Bestand werden.
Das Schaubild oben beschreibt diesen Prozess Schritt für Schritt.
Die Strategie wird bereits gemeinsam weiterentwickelt
Die hier vorgestellte Ankaufstrategie ist kein bestehendes Förderprogramm, sondern ein Entwicklungsansatz. Sie baut auf vorhandenen Förderinstrumenten auf und verbindet diese mit der Idee einer neuen intermediären Ankaufsstruktur.

Die konzeptionelle Weiterentwicklung erfolgt derzeit im bundesweiten Bündnis „Wohnungsnot durch Umwandlung und Eigenbedarfskündigungen stoppen!“. Innerhalb des Bündnisses arbeitet die AG Ankauf gemeinsam mit Vertreter*innen aus Bezirken, Genossenschaften, Wohnungswirtschaft, Recht und Stadtentwicklung daran, die organisatorischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen einer kooperativen Ankaufsagentur und geeigneter Trägerstrukturen weiter auszuarbeiten.
Hintergründe und Quellen:

