Neue Kooperationen
für leistbare und offene Räume

in Friedrichshain Kreuzberg

Baustelle

#11

Quartiersentwicklung an der Franz-Künstler-Straße

Mitten in Kreuzberg wird von einem landeseigenen Wohnungsunternehmen (Gewobag) ein großes, stark gemeinwohlorientiertes Stadtteilzentrum neu gebaut. Die Tür für kooperative Elemente bei der Entwicklung ist geöffnet. Akteure für engagierte Projekte werden gesucht.

Das Projekt auf einen Blick

Anteilige Nutzungen im neuen Quartier

(annähernde Nutzungsverteilung)

Das Quartier wird einen Mix aus verschiedenen Wohnformen bieten und als neues untergeordnetes Versorgungszentrum geplant.

Laufende Diskussion und Beteiligung

Im September 2021 fand die erste StadtWERKSTATT zur Franz-Künstler-Straße statt. Die Ergebnisse sind hier dokumentiert.

Am 23.2.2023 gibt es erneut die Möglichkeit, sich über den aktuellen Planungsstand zu informieren und Ideen für die Planung einzubringen. Interessierte sind eingeladen zur „StadtWERKSTATT“ in die benachbarte Waldorfschule.

Aktuell größtes Entwicklungspotenzial im Bezirk

In den letzten Jahren ist es gelungen, alle Teilgrundstücke an der Franz-Künstler-Straße in das Eigentum der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag zu bringen. Ein Bebauungsplan (B-Plan) ist gemeinsam mit dem bezirklichen Stadtentwicklungsamt in Arbeit. Der Standort ist nach dem bezirklichen Konzept „Ankommen und Bleiben“ als einer von mehreren dezentralen Orten für Geflüchtetenunterkünfte vorgesehen.

Fakten-Blatt: „Quartiersentwicklung an der Franz-Künstler-Straße“

Die groben Zielwerte für die Entwicklung sind definiert:
  • 450 – 500 Wohnungen in kommunalem Eigentum
  • 300 Plätze für Geflüchtete
  • 75 Plätze „experimentelles Gefüchteten-Wohnen“
  • ca. 50.000 m2 Brottogeschossfläche
  • davon bis zu 6.800 m2 Bruttogeschlossfläche für Gewerbe & Co.
  • ca. 10.000 m2 Frei- und Grünflächen
  • Offenheit für gemeinwohlorientierte Akteure, die an einer Umsetzung temporärer und langfristiger Projekte interessiert sind
  • geplanter Baubeginn im Jahr 2024

Jetzt für mehr Gemeinwohl am Standort engagieren

Ein Quartier lebt von den Nutzer*innen – sie machen die Identität eines Ortes aus. Bei der Entwicklung des Quartiers an der Franz-Künstler-Straße ist jetzt der richtige Moment, um in die Planung und Umsetzung einzusteigen. Die Gewobag signalisierte Offenheit für eine gemeinsame Entwicklung von Angeboten im neuen Quartier.

Am 23. Februar wird zu einer zweiten StadtWERKSTATT eingeladen. Dabei wird der städtebauliche Entwurf vorgestellt und es soll insbesondere über Nutzungen in den Erdgeschossflächen und den Freiräumen diskutiert werden.

Kooperativ entwickelte Angebote könnten z.B. sein:

  • Cluster-Wohnprojekte
  • Wohnprojekte mit Geflüchteten
  • Soziale Gewerbenutzungen
  • Kooperativer oder genossenschaftlicher Einzelhandel
  • Freiraumprojekte mit Geflüchteten/Nachbarschaft

Aufgerufen sind daher insbesondere organisierte Akteure, die schon während der Planungsphase mit der Gewobag kooperieren können.

Interessierte melden sich bitte beim LokalBau-Team oder kommen spätestens zur StadtWERKSTATT am 23.2.2023.

Hintergründe zum Projekt

Zentrale Lage und doch bisher wenig beachtet

Mitten in der Stadt und im Zentrum Kreuzbergs in der südlichen Friedrichstadt liegt das Areal trotz seiner zentralen Lage etwas unscheinbar an der Verbindungsstraße zwischen der Alte Jakobstraße und der Alexandrinenstraße. Die Franz-Künstler-Straße wurde nach dem Krieg als Zubringer zur damals geplanten Stadtautobahn durch Kreuzberg gebaut und verläuft deshalb außerhalb aller sonstigen Stadtachsen doppelt gebogen. Die Stadtautobahn wurde am Ende nie gebaut und so wird die „schräge Verbindung“ heute kaum für den Durchgangsverkehr genutzt.

Bisher befinden sich an der Nordseite der Franz-Künstler-Straße Garagen, die von hohen Bäumen eingewachsen sind, die den tieferen Blick ins Areal von Süden her weitgehend verdecken. Zwischen den Bäumen stehen ehemals durch die Schreberjugend als Hostel genutzte Gebäude, die seit vielen Jahren leer stehen und auf Grund ihres desolaten Zustands zukünftig nicht erhalten werden können. Über die Jahrzehnte der „Nicht-Nutzung“ ist das Gelände zu einem dicht bewachsenen Stück Stadtnatur geworden, das von den umliegenden Nachbar*innen als grünes Biotop geschätzt wird.

Nördlich dieses Grünraumes verläuft die Grundstücksgrenze, an die als direkte Nachbarinnen die Waldorfschule Kreuzberg sowie der Waldorfkindergarten Kreuzberg angrenzen, welche von der Ritterstraße bzw. der Alten Jakobstraße erschlossen werden.

Entlang der Alten Jakobstraße stehen seit einigen Jahren sogenannte „Tempo-Homes“ – Container-Unterkünfte für Geflüchtete – auf dem Grundstück. Sie sollen voraussichtlich Mitte 2023 vom Landesamt für Flüchtingsangelegenheiten (LAF) abgebaut werden, um anschließend die Entwicklung auf der Fläche zu ermöglichen.

Wohnquartiere im Umfeld

Im Süden der Franz-Künstler-Straße liegt die „Spring-Siedlung“ in typischer Bauweise der Nachkriegsmoderne. Sie ist im Eigentum der Deutsche Wohnen (Vonovia) und wurde im Jahr 2018 umfänglich saniert – einschließlich der Neugestaltung der weiten Freiräume zwischen den hohen Blöcken. Zur Franz-Künstler-Straße hin verlaufen mehrere Parkplatzausfahrten.

Im Westen liegt das Jüdische Museum mit seiner markanten Architektur, wobei der Museumsgarten zur Alten Jakobstraße mit einer Mauer geschlossen ist. Ein viel genutzter Durchgang und Radweg führt entlang des Jüdischen Museums über die Lindenstraße und die Franz-Klühs-Straße bis zur Friedrichstraße und zum Mehringplatz.
Nördlich des Jüdischen Museums finden sich mehrere Blöcke, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA’87 errichtet wurden. Hier wurde unter dem Gesichtspunkt der „behutsamen Stadterneuerung“ sowie der „kritischen Rekonstruktion“ „Stadtreparatur“ betrieben, wobei die Stadt an dieser Stelle aus den halböffentlichen Höfen heraus gedacht wurde. In einem dieser Blöcke liegt die Berlinische Galerie mit ihrem belebten Vorplatz.

Im Norden befindet sich im gleichen Block der architektonisch recht gemischte Komplex der Waldorf-Bildungseinrichtungen an der Ritterstraße. Die Ritterstraße ist insbesondere an der Ecke zur Alexandrinenstraße recht belebt.

Nach Osten schließen große Sportplätze und weitere Schulen an, hinter denen schließlich die Großwohnsiedung Richtung Wassertorplatz liegt.

Das Grundstück an der Franz-Künstler-Straße ist damit von großen Wohnquartieren und Großwohnsiedlungen im Zentrum der Stadt umschlossen. Damit bietet sich die Chance, mit der Entwicklung an der Franz-Künstler-Straße eine neue Verbindung dieser Quartiere zu schaffen, die als untergeordnetes Stadtteilzentrum zu einer bedarfsgerechten Versorgung sowohl der zukünftigen Bewohner*innen als auch der jetzigen Nachbar*innen beiträgt. Letztere sind auf Grund ihrer sozialen und ökonomischen Situation besonders auf eine gute Versorgung mit Frei- und Grünflächen, mit Angeboten des täglichen Bedarfs sowie mit niedrigschwelligen Nachbarschaftseinrichtungen angewiesen. Diese Chance gilt es nun gemeinsam mit der GEWOBAG sowie interessierten Akteur*innen und möglichen Kooperationspartner*innen zu ergreifen, um an der Franz-Künstler-Straße ein vielfältiges und integratives Quartierszentrum neu zu schaffen.

An der Baustelle Beteiligte Akteur*innen

Veranstaltungen zur Baustelle »Quartiersentwicklung an der Franz-Künstler-Straße«

Beiträge zur Baustelle »Quartiersentwicklung an der Franz-Künstler-Straße« im Magazin

zu Baustelle #7 | Baustelle #10 | Baustelle #11

StadtWERKSTATT-Doku: Neubau-Quartier an der Franz-Künstler-Str. entwickeln

Am 24. August kamen in der Adlerhalle am Dragonerareal über 50 Menschen zusammen, um sich über den Stand der Überlegungen zu informieren und eigene Ansichten einzubringen. Zur Veranstaltungen wurden 900 Einladungen als Postwurfsendungen in den umliegenden Wohngebieten verteilt und viele Akteure aus dem Umfeld wurden angeschrieben, was dazu führte, dass ungefähr die Hälfte der Anwesenden Anlieger*innen aus dem Stadtteil waren.

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14. September 2021