Gemeinwohlorientierung als Entwicklungsprinzip
Mit dem WoHo Kreuzberg entsteht am Halleschen Ufer ein außergewöhnliches Wohnhochhaus, das weit mehr sein will als ein Gebäude. Das Projekt versteht sich als vertikales Stadtquartier, in dem Wohnen, Arbeiten, soziale Infrastruktur, Kultur und gemeinschaftliche Räume auf engem Raum und in übereinander organisierten Etagen miteinander verbunden werden.

Bemerkenswert ist dabei weniger die Höhe des Gebäudes als sein Entwicklungsansatz. Viele Prinzipien einer gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung wurden hier von Beginn an in das Projekt integriert: eine konsequente Nutzungsmischung, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Immobilien- und Betreiberstrukturen sowie öffentlich zugängliche Orte als Teil des Quartiers. Das WoHo zeigt damit, dass Gemeinwohlorientierung nicht nur Ergebnis politischer Vorgaben oder kooperativer Verfahren sein kann, sondern selbst zum Ausgangspunkt einer erfolgreichen Projektentwicklung werden kann.
Ein neues Modell für den Hochhausbau
Berlin wächst weiter, während geeignete Flächen für den Wohnungsbau knapp werden. Damit wachsen die Anforderungen an neue Quartiere. Sie sollen mehr sein als reine Wohnstandorte und Orte schaffen, an denen Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Kultur und gemeinschaftliches Leben selbstverständlich zusammenfinden.
Das WoHo antwortet auf diese Herausforderung mit einer neuen Hochhaustypologie. Vier unterschiedlich hohe Baukörper bilden gemeinsam ein vertikales Stadtquartier. Statt eines geschlossenen Solitärs entsteht eine räumlich gegliederte Struktur mit vielfältigen Bezügen zum umliegenden Stadtraum. Terrassen, öffentliche Dachlandschaften, gemeinschaftliche Bereiche und differenzierte Erschließungen schaffen Aufenthaltsorte und Begegnungsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen des Gebäudes.
Das Hochhaus wird dadurch selbst zu einem kleinen Stadtquartier.



Drei Bilder zu den Prinzipien der Nutzungsmischung und räumlichen Konzeption.
Die Gemeinwohlorientierung ermöglicht die Entwicklung und Finanzierung des Projekts.
Das Besondere am WoHo liegt nicht allein in seiner Architektur, sondern im Verständnis von Projektentwicklung. Während in anderen Projekten gemeinwohlorientierte Ziele häufig erst durch politische Vorgaben, Bebauungspläne oder langwierige Kooperationsprozesse in private Bauvorhaben eingebracht werden können, wurden sie beim WoHo von Beginn als konzeptioneller Ausgangspunkt des Projekts verstanden.
Gemeinwohlorientierung ist hier keine zusätzliche Anforderung. Sie bildet den konzeptionellen Ausgangspunkt der Projektentwicklung. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure entsteht dabei nicht trotz der wirtschaftlichen Anforderungen des Projekts, sondern gerade als Voraussetzung für seine Qualität und langfristige Tragfähigkeit.
Das WoHo zeigt damit einen zweiten Weg gemeinwohlorientierter Stadtentwicklung: Nicht Verwaltung oder Politik organisieren die Kooperation, sondern der Projektentwickler erkennt selbst den Mehrwert vielfältiger Partnerschaften für die Qualität und Zukunftsfähigkeit seines Projekts. Gemeinwohlorientierung wird damit nicht nur zum städtebaulichen Leitbild, sondern zu einer tragfähigen Entwicklungs- und Finanzierungsstrategie für große Quartiersprojekte.
Kooperation schafft bessere Quartiere
Aus dem Anspruch, ein vielfältiges und lebendiges Stadtquartier zu entwickeln, ergibt sich fast zwangsläufig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure. Im WoHo werden Wohnungsbau, Gewerbe, soziale Einrichtungen, gemeinschaftliche Angebote und öffentliche Räume miteinander kombiniert. Genossenschaftliche Wohnformen, soziale Träger und weitere gemeinwohlorientierte Nutzungen werden als fester Bestandteil des Projekts verstanden. Dadurch entsteht ein Nutzungsmix, der weit über ein klassisches Wohnhochhaus hinausgeht.
Das Projekt bestätigt damit eine zentrale Erkenntnis der Baustelle Gemeinwohl: Gemeinwohlorientierte Quartiere entstehen dort, wo unterschiedliche Kompetenzen, Nutzungen und Organisationsformen produktiv zusammenwirken. Kooperation ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für urbane Vielfalt und langfristig tragfähige Stadtquartiere.
Konkrete Angaben zum Verfahren
Das WoHo wird auf einem Grundstück am Halleschen Ufer im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg entwickelt. Vorhabenträger ist die UTB Projektmanagement GmbH, die das Projekt gemeinsam mit einem interdisziplinären Planungsteam entwickelt hat.
Grundlage der Planung ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan (VI-150g-2a VE), der die besonderen Anforderungen des Projekts planungsrechtlich absichert (festgesetzt seit Anfang Juni 2026). Dem Entwurf ging ein hochbaulicher Wettbewerb voraus, dessen Siegerentwurf in den folgenden Jahren weiterentwickelt und an die Ergebnisse des Bebauungsplanverfahrens angepasst wurde.




Der Bebauungsplan wurde in enger Abstimmung mit dem Bezirk durchgeführt. Das Beteiligungsverfahren für Öffentlichkeit wurde deutlich intensiver durchgeführt als gesetzlich vorgeschrieben. Parallel wurden Projektinhalte wiederholt öffentlich vorgestellt und diskutiert. So konnte das Vorhaben kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst werden.
Das WoHo verbindet einen klassischen planungsrechtlichen Entwicklungsprozess mit einem Quartierskonzept, das zeigt, wie Gemeinwohlorientierung zum Ausgangspunkt einer wirtschaftlich tragfähigen Projektentwicklung werden kann.
- Standort: Hallesches Ufer, Berlin-Kreuzberg
- Vorhabenträger: UTB Projektmanagement GmbH
- Planungsinstrument: Vorhabenbezogener Bebauungsplan
Das Bebauungsplanverfahren hat die Phase der öffentlichen Auslegung durchlaufen. Im Anschluss erfolgt die Auswertung und Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen.
- Vorhabenbezogener Bebauungsplan VI-150g-2a VE Karten (PDF)
- Begründung zum B-Plan (PDF)
- Ergebnis des Entwicklungswettbewerbs (PDF)
- Projektdarstellung und weitere Links bei xhain-beteiligt.de
- Projektdarstellung beim Entwickler UTB GmbH
Schwerpunkte:
- Holz-Hybrid-Bauweise und nachhaltiges Energiekonzept
- Vertikales Stadtquartier
- Höhe 98 Metern, 29 Etagen
- 18.000 m2 Nutzfläche
- Nutzungsmischung aus 60 % Wohnen, 25 % Gewerbe und 15 % sozialer Infrastruktur
- Wohnen: je 1/3 mietpreisgebunden, freifinanziert und Eigentum
- Integration gemeinwohlorientierter Akteure
- Öffentliche Dachlandschaften und gemeinschaftliche Räume



