Gemeinsam ein lebendiges Stadtquartier entwickeln.
Mitten in Berlin entsteht auf dem Dragonerareal und den angrenzenden Flächen des Rathausblocks ein neues gemischt genutztes Stadtquartier. Wohnen, Gewerbe, Kultur, soziale Infrastruktur, Sport und öffentliche Freiräume sollen hier zu einem lebenswerten Stück Stadt zusammenwachsen.
Die Entwicklung des Quartiers ist weit mehr als ein städtebauliches Projekt. Über viele Jahre wurden Grundstücke gesichert, Kooperationen aufgebaut, Entwicklungsziele erarbeitet, Städtebau entwickelt und schließlich gemeinsam das Planungsrecht geschaffen. Mit der erreichten Planreife des Bebauungsplans beginnt nun eine neue Phase: Aus dem gemeinsam entwickelten Städtebau entstehen konkrete Entwicklungsprojekte für Neubau und Bestand.
Der Prozess am Rathausblock zeigt beispielhaft, wie kooperative Stadtentwicklung entsteht. Aus einem politischen Konflikt entwickelte sich in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen ein gemeinwohlorientiertes Stadtentwicklungsprojekt – von der Sicherung des Areals über die gemeinsame Planung bis zur Umsetzung konkreter Projekte.
Konflikt → Vision → Qualifizierung → Verbindlichkeit → Umsetzung
Diese Baustellen-Seite gibt einen Überblick zum kooperativen Entwicklungsprozess und benennt die aktuellen Herausforderungen.

2010–2019 · Privatisierung stoppen und das Areal für das Gemeinwohl sichern
Die Entwicklung des Modellprojekts Rathausblock begann mit einem politischen Konflikt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hatte das Dragonerareal im Höchstpreisverfahren an private Investoren verkauft. Gegen diese Privatisierung formierte sich massiver Widerstand. Initiativen, Nachbarschaft und Bezirk kritisierten den Verkauf eines öffentlichen Grundstücks nach reinen Erlöskriterien und forderten eine Entwicklung für bezahlbares Wohnen, Gewerbe, Kultur und soziale Nutzungen.
Der Protest wirkte weit über den Rathausblock hinaus. Im September 2015 verweigerte der Finanzausschuss des Bundesrats seine Zustimmung zum Verkauf. Nach dem Berliner Regierungswechsel 2016 erklärte die neue rot-rot-grüne Koalition die Überführung des Areals in Landeseigentum und seine Entwicklung als gemeinwohlorientiertes Modellprojekt zum politischen Ziel. Der private Kaufvertrag wurde rückgängig gemacht.
Mit der förmlichen Festlegung des Sanierungsgebiets Rathausblock im Juli 2017 erhielt der Bezirk ein starkes planungsrechtliches Instrument, um die zukünftige Entwicklung zu steuern. Der Hauptstadtfinanzierungsvertrag zwischen Bund und Land bereitete zugleich die Eigentumsübertragung vor. Ende 2018 wurde der Übertragungsvertrag geschlossen; im Juli 2019 ging das Dragonerareal offiziell in das Sondervermögen Daseinsvorsorge des Landes Berlin über.
Parallel wurden die organisatorischen Grundlagen des Modellprojekts aufgebaut. Im sanierten Kiezraum entstand ein öffentlicher Ort für Information, Austausch und Zusammenarbeit. Die neu eingerichtete ZusammenStelle im Bezirksamt übernahm die Koordination des komplexen Gesamtprozesses. Mit der Kooperationsvereinbarung von 2019 verpflichteten sich Senat, Bezirk, BIM, WBM und die organisierten zivilgesellschaftlichen Partner*innen, zentrale Entscheidungen gemeinsam vorzubereiten und auszuhandeln.
Damit war aus dem Widerstand gegen eine Privatisierung ein öffentlich getragenes Modellprojekt mit eigener Kooperations- und Gremienstruktur geworden.
Erster Rahmenplan von 2017:

Meilensteine dieser Phase mit Quellen:
- 2015
→ Verkauf an privaten Investor löst Protest aus. - 09/2015
→ Bundesrat stoppt den Verkauf. - 07/2016
→ Vorbereitende Untersuchungen beschlossen. - 12/2016
→ Koalitionsvertrag: Gemeinwohlorientierte Entwicklung wird politisches Ziel. - 07/2017
→ Rathausblock wird förmliches Sanierungsgebiet. - 11/2018
→ Grundstücksübertragung an das Land Berlin. - 06/2019
→Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. - 2019
→ ZusammenStelle Rathausblock nimmt ihre Arbeit auf.
2019–2020 · Die Zukunft des Quartiers gemeinsam entwerfen
Nach der politischen Sicherung des Dragonerareals begann die eigentliche Entwicklungsarbeit: Gemeinsam sollte ein Zukunftsbild für den Rathausblock entstehen.
Im Mittelpunkt stand ein mehrstufiges städtebauliches Werkstattverfahren. Eingeladene Planungsbüros entwickelten gemeinsam mit Verwaltung, Politik, Fachleuten, Initiativen und Anwohner*innen unterschiedliche Konzepte für das Quartier. In mehreren Werkstattphasen wurden die Entwürfe öffentlich diskutiert, weiterentwickelt und miteinander verglichen.
Das Verfahren diente nicht nur dazu, den besten städtebaulichen Entwurf zu finden. Es schuf ein gemeinsames Verständnis dafür, wie auf dem Areal Wohnen, Gewerbe, soziale Infrastruktur, Kultur, Freiräume und denkmalgeschützte Gebäude zu einem lebendigen Stadtquartier zusammengeführt werden können.
Der ausgewählte Entwurf bildete anschließend die Grundlage für die weitere Qualifizierung des Projekts und die Ausarbeitung verbindlicher Planungsinstrumente. Gleichzeitig entwickelte sich das Werkstattverfahren selbst zu einem Experiment kooperativer Stadtentwicklung. Verwaltung, Politik, Fachleute und Stadtgesellschaft erprobten neue Formen der Zusammenarbeit, die den weiteren Entwicklungsprozess bis heute prägen.
Meilensteine dieser Phase mit Quellen:
- 2019
→ Vorbereitung des kooperativen Werkstattverfahrens und Erarbeitung des Ablaufs und der Aufgabenstellung. - 09/2019
→ Start des städtebaulichen Werkstattverfahrens mit mehreren Planungsteams. - 2019–2020
→ Mehrere öffentliche Werkstattphasen mit Verwaltung, Politik, Fachleuten und Stadtgesellschaft. - 06/2020
→ Auswahl und Empfehlung des gemeinsamen städtebaulichen Entwurfs. - 2020
→ Der Entwurf von SMAQ / Man Made Land / Barbara Schindler wird Grundlage der weiteren Quartiersentwicklung.

2020–2023 · Den Entwurf planerisch konkretisieren
Mit dem Abschluss des Werkstattverfahrens war die räumliche Grundidee für den Rathausblock gefunden. In den folgenden Jahren wurde der Entwurf gemeinsam weiterentwickelt und schrittweise in belastbare Planungsgrundlagen übersetzt.
Der Städtebauliche Rahmenplan, das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) und der Gestaltungsleitfaden konkretisierten die Ziele für Bebauung, Freiräume, Mobilität, Klima, soziale Infrastruktur, Gewerbe und den Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand. Parallel wurden zahlreiche Fachgutachten erarbeitet und mit den beteiligten Verwaltungen, landeseigenen Unternehmen sowie den zivilgesellschaftlichen Partner*innen abgestimmt.
So entstand ein gemeinsamer Orientierungsrahmen, der die Ergebnisse des Werkstattverfahrens mit fachlichen Anforderungen und politischen Zielsetzungen zusammenführte. Er bildet bis heute die Grundlage für Bebauungsplan, Projektentwicklungen und die schrittweise Umsetzung des Quartiers.
Meilensteine dieser Phase mit Quellen:
- 2020
→ Fachgutachten und Leitlinien konkretisieren den Werkstattentwurf und schaffen belastbare Grundlagen für die weitere Quartiersentwicklung (u. a. zu Denkmalschutz, Wohnen und Soziales, Gewerbe und Kultur, Verkehr und Mobilität sowie Ökologie und Nachhaltigkeit).. - 2020–2022
→ Der Siegerentwurf wird gemeinsam überarbeitet und zum städtebaulichen Konzept weiterentwickelt. - 07/2022
→ Das überarbeitete städtebauliche Konzept wird öffentlich vorgestellt und ausgestellt. - 05/2023
→ Fortschreibung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) beschlossen. (ISEK-Dokument) - 05/2023
→ Städtebaulicher Rahmenplan wird als Bestandteil der ISEK-Fortschreibung veröffentlicht. - 08/2023
→ Städtebauliches Konzept in der finalen Kurzfassung veröffentlicht. - 01/2024
→ Gestaltungsleitfaden wird abgeschlossen.

2023–2026 · Übers Entwicklungskonzept zum Bebauungsplan


Mit dem Städtebaulichen Entwicklungskonzept begann die nächste Entwicklungsphase: Die gemeinsam erarbeiteten Ziele mussten in verbindliches Planungsrecht überführt werden.
Im Bebauungsplan werden die wesentlichen Festlegungen zur zukünftigen Nutzung des Quartiers rechtlich gesichert. Gleichzeitig fließen zahlreiche fachliche Anforderungen – etwa zu Umwelt, Verkehr, Klima, Lärmschutz, Denkmalpflege oder sozialer Infrastruktur – in die Planung ein und werden gegeneinander abgewogen.
Auch diese Phase wird kooperativ gestaltet. Verwaltung, Fachbehörden, Politik, Eigentümer*innen und Zivilgesellschaft begleiten den Planungsprozess kontinuierlich. Ziel ist es, die gemeinsam entwickelten Qualitäten des Quartiers dauerhaft im Planungsrecht zu verankern und zugleich die Voraussetzungen für die Umsetzung der einzelnen Projekte zu schaffen.
Der Bebauungsplan bildet damit die verbindliche Grundlage für die langfristige Entwicklung des Rathausblocks.
Meilensteine dieser Phase mit Quellen:
- 2019
→ Mit der Kooperationsvereinbarung wurde schon ganz am Anfang das B-Plan-Verfahren als gemeinsamer Entwicklungsprozess zwischen Bezirk, Senat, landeseigenen Unternehmen und Zivilgesellschaft verankert. - 2023–2025
Der Bebauungsplan 2-48 wird auf Grundlage des weiterentwickelten städtebaulichen Konzepts ausgearbeitet und fachlich abgestimmt. - 03–04/2026
→ Öffentliche Auslegung und erneute Beteiligung der Träger öffentlicher Belange zum Bebauungsplan 2-48. - 06/2026
→ Der BVV wird der Bebauungsplan präsentiert.
→ Die BVV fasst den Abwägungsbeschluss zum Bebauungsplan 2-48 und stellt damit die Planreife her.

Ab 2026 · Vom Planen zum gemeinsamen Entwickeln
Mit dem weitgehend abgeschlossenen Bebauungsplan beginnt eine neue Phase des Modellprojekts. Aus der gemeinsamen Planung werden nun zahlreiche eigenständige Entwicklungsprojekte. Die zentrale Herausforderung besteht darin, diese so aufeinander abzustimmen, dass daraus Schritt für Schritt ein lebendiges und funktionierendes Stadtquartier entsteht.
Während die WBM den geförderten Wohnungsbau auf mehreren Baufeldern vorbereitet und ein weiteres Grundstück (Baufeld WEST) über Konzeptverfahren an gemeinwohlorientierte Träger vergeben werden sollen, rückt gleichzeitig die Entwicklung des historischen Gebäudebestands in den Mittelpunkt. Hier gilt es, tragfähige Betreiberstrukturen, Finanzierungsmodelle und langfristige Kooperationen für Kultur, Gewerbe, Sport und weitere gemeinwohlorientierte Nutzungen aufzubauen.
Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Zusammenarbeit. Die bisherige Gremienstruktur hat die gemeinsame Planung erfolgreich begleitet. Für die nun beginnende Umsetzungsphase werden die Kooperationsformate weiterentwickelt werden müssen, um die Vielzahl parallel laufender Projekte wirksam koordinieren und neue Akteur*innen in die Entwicklung einbinden zu können.
Die Alte Reithalle wird derzeit gemeinsam vom Amt für Weiterbildung und Kultur sowie dem Jugendamt als Kulturort und Jugendfreizeiteinrichtung entwickelt. Es soll ein Kombi-Standort von Kulturzentrum und Jugendfreizeiteinrichtung entstehen.
Ein Bedarfsprogramm wurde erarbeitet und entlang dieser Vorgaben eine vorläufige Planung zum Umbau des denkmalgeschützen Bestandsbaus von ff Architekten präsentiert.
Für die Neue Reithalle soll über einen Förderantrag die Grundlage geschaffen werden, um sie langfristig als Sportstandort des Quartiers auszubauen. Die Adlerhalle dient zunächst als Gewerbedrehscheibe für die benachbarten Kfz-Betriebe während der Sanierung ihres Gebäudeflügels. Nach deren Rückzug soll für die Adlerhalle ein eigenständiges Entwicklungskonzept umgesetzt werden. Gleichzeitig stehen für das Pferdehospiz, die Großboxen und den Stallflügel Süd weitere Entwicklungskonzepte an. Der Anbau der Alten Schmiede verbleibt im Sondervermögen für Daseinsvorsorge (SODA) und wird von der BIM mit einer nutzungsoffenen Sanierung entwickelt.
Mit dem Übergang in die Umsetzungsphase verändern sich auch die Anforderungen an die Zusammenarbeit. Die bestehende Gremienarchitektur hat die gemeinsame Planung des Quartiers erfolgreich ermöglicht. Nun stellt sich die Frage, wie die Kooperationsstrukturen für die Entwicklungs- und Umsetzungsphase weiterentwickelt werden können. Dabei geht es um die Rollen der bestehenden Gremien, die Bedeutung projektbezogener Arbeitsgruppen und die zukünftige Funktion der ZusammenStelle.
Für gemeinwohlorientierte Entwicklungsakteure eröffnet sich damit ein neues Handlungsfeld. Die ZusammenStelle hat sich im Verlauf des Modellprojekts und über die Ausrichtung von etlichen Veranstaltungen im Format PlanBar als zentrale intermediäre Struktur etabliert und kann die Entwicklung der Bestandsprojekte künftig koordinierend begleiten – eingebettet in die bestehenden Kooperationsstrukturen und in enger Zusammenarbeit mit der bezirklichen Stadtplanung.
Aktuelle Kooperationsstruktur
Die Gremienstruktur des Modellprojekts entstand in der Planungsphase und bildet weiterhin das organisatorische Rückgrat der Zusammenarbeit.
- Forum Rathausblock
Öffentliche Informations-, Austausch- und Beteiligungsplattform im Format regelmäßiger Veranstaltungen. - Zukunftsrat
Zentrales Kooperations- und Steuerungsgremium der Projektpartner*innen (alle Unterzeichnenden der Kooperationsvereinbarung). - Raum- und Flächenkuratorium (RFK)
Bereitet Entscheidungen zur Nutzung und Vergabe von Räumen und Flächen vor. Mit der beginnenden Umsetzungsphase stellt sich die Frage nach seiner zukünftigen Rolle und Aufgabenverteilung. - Arbeitsgruppen
Bearbeiten thematische und projektbezogene Entwicklungsaufgaben. Insbesondere projektorientierte Arbeitsgruppen – etwa zu Initialnutzungen – gewinnen zunehmend an Bedeutung. - ZusammenStelle Rathausblock
Geschäftsstelle und intermediäre Unterstützungsstruktur des Modellprojekts. Sie begleitet die Kooperation der Projektpartner*innen und entwickelt ihre Rolle in der Umsetzungsphase kontinuierlich weiter.
Die aktuellen Entwicklungsaufgaben:
- Wohnungsbau der WBM auf den Neubaufeldern vorbereiten.
- Konzeptverfahren für gemeinwohlorientierte Neubauprojekte durchführen.
- Betreiber- und Trägerstrukturen für die Bestandsgebäude entwickeln.
- Gemeinwohlorientierte Nutzungen dauerhaft sichern.
- Die Zusammenarbeit der Projektpartner*innen in der Umsetzungsphase weiterentwickeln.

Es gibt mehrere weitere Websites mit umfassenden Informationen zum Projekt und den laufenden Prozessen
(Liste ist unvollständig)
- Transparenzplattform des Bezirks zum Sanierungsprojekt Rathausblock
- Antworten auf häufige Fragen auf der Projekt-Website des Bezirks
- Website der zivilgesellschaftlichen Akteure auf dem Areal unter dem Titel „Vernetzungstreffen“
- Projektwebsite „Dragonerareal“ der WBM (Wohnungsbaugesellschaft Mitte
- Darstellung zum Aufgabenfeld der ZusammenStelle
- Berlin Plattform – Steckbrief Dragonerareal











