Neue Kooperationen
für leistbare und offene Räume

in Friedrichshain-Kreuzberg

Baustelle #7

Gemischte Immobilien­konzepte fördern – Wohnen, Gewerbe & Soziales verbinden

Gemischte Immobilien brauchen eigene Förderlogiken

In Friedrichshain-Kreuzberg gehört die Mischung von Wohnen, Arbeiten, sozialer Infrastruktur, Kultur, Bildung, Beratung, Produktion und Nachbarschaft zum Charakter vieler Quartiere. Diese Nähe kann den Alltag in der Stadt erleichtern: Wege werden kürzer, soziale Angebote liegen näher bei den Menschen, Gewerbe und Handwerk bleiben Teil der Nachbarschaft und Erdgeschosse können zu lebendigen Schnittstellen zwischen Gebäude und Quartier werden. Diese Mischung steht im Bestand unter Druck und entsteht im Neubau nicht automatisch neu.

Neue Gebäude und Quartiere werden häufig nach getrennten Nutzungslogiken entwickelt: Wohnen wird als Wohnprojekt geplant, Gewerbe muss sich über Mieten rechnen, soziale Infrastruktur folgt eigenen Zuständigkeiten und Kultur- oder Nachbarschaftsnutzungen bleiben oft ungesichert.

Wenn gemeinwohlorientierte Nutzungsmischung entstehen soll, reicht es deshalb nicht, im städtebaulichen Konzept Erdgeschosse zu aktivieren oder soziale Nutzungen mitzudenken. Die unterschiedlichen Nutzungen müssen auch finanziert, betrieben, vermietet und langfristig gesichert werden können.

Die Förderlandschaft behandelt Nutzungen getrennt

Berlin verfügt über wichtige Förderinstrumente für bezahlbaren Wohnraum, soziale Infrastruktur, Kitaausbau, Quartiersentwicklung, energetische Maßnahmen und weitere Fachbedarfe. Diese Programme leisten wichtige Beiträge, behandeln gemischte Immobilien aber meist nicht als zusammenhängendes Projekt.

Dadurch entsteht ein strukturelles Problem: Ein Gebäude soll gemischt sein, aber seine Finanzierung wird in getrennte Nutzungsbestandteile zerlegt. Wohnen kann gefördert werden. Gewerbe soll sich häufig über Mieten tragen. Soziale Infrastruktur hängt an Fachverwaltungen, Trägern oder städtebaulichen Verträgen. Kultur, Beratung, Nachbarschaftsarbeit, Handwerk oder gemeinwohlorientiertes Gewerbe fallen oft zwischen diese Systeme.

Gemischte Projekte sind dadurch nicht unmöglich. Sie werden aber kompliziert, riskant und betreuungsintensiv.

Gemeinwohlorientierte Mischung muss als Gesamtprojekt entwickelt werden

Bei einer Kundgebung zum Erhalt der „Berliner Mischung“ mit gemeinsamen Forderungen der Projekte „Lause bleibt!“, „Ratibor 14“, „Uferhallen“

Gemischte Immobilien brauchen eine Projektentwicklung, die nicht nur einzelne Flächen betrachtet, sondern das Zusammenspiel des Gebäudes organisiert.

Dazu gehören früh geklärte Nutzungen, tragfähige Mietniveaus, passende Träger, geeignete Förderbausteine und langfristige Verantwortung. Ein Erdgeschoss für Kiezgewerbe funktioniert anders als eine Kita. Eine Beratungsstelle braucht andere Räume als eine Werkstatt. Gemeinschaftsräume, soziale Angebote oder Trägerwohnungen lassen sich nicht einfach als Restflächen in ein fertiges Gebäude einfügen.

Deshalb müssen gewünschte Nutzungen, mögliche Betreiber*innen, Raumgrößen, Ausstattungsstandards, Mietniveaus und Fördermöglichkeiten bereits in frühen Projektphasen zusammen gedacht werden. Sonst bleiben Flächen leer, werden anders vermietet oder verlieren ihre gemeinwohlorientierte Funktion.

Kooperative Strukturen machen gemischte Projekte entwicklungsfähig

Unter den heutigen Bedingungen entstehen gemischte Immobilien oft nur, wenn viele getrennte Logiken miteinander verbunden werden: Wohnraumförderung, Fachförderungen, städtebauliche Verträge, Erbbaurecht, Grundstücksvergabe, Betreiberkonzepte und lokale Bedarfe.

Diese Arbeit passiert nicht von selbst. Sie braucht kooperative Strukturen, die zwischen Verwaltung, Fachämtern, Fördergebern, Bauherr*innen, Trägern, Gewerbe, Initiativen und späteren Nutzer*innen vermitteln.

Kooperative Projektentwicklung kann Bedarfe sichtbar machen, passende Akteure finden, Nutzungskonzepte qualifizieren, Fördermöglichkeiten sortieren und Verantwortungsmodelle aufbauen. Gerade bei gemischten Immobilien ist diese Strukturarbeit kein Zusatz. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass solche Projekte planbar, finanzierbar und umsetzbar werden.

Wenn die Förderung getrennt bleibt, muss Koordination gefördert werden

Langfristig braucht Berlin Förderprogramme, die gemischt genutzte gemeinwohlorientierte Immobilien als Gesamtprojekt unterstützen.

Solange Wohnen, soziale Infrastruktur, Gewerbe und Kultur jedoch über getrennte Programme, Zuständigkeiten und Finanzierungslogiken organisiert werden, muss mindestens der erhöhte Aufwand für kooperative Projektentwicklung förderfähig werden.

Gefördert werden sollte deshalb nicht nur das Bauen einzelner Nutzungen, sondern auch die Arbeit, die gemischte Projekte möglich macht: Koordination, Trägeraufbau, Fördermittelkombination, Nutzungsqualifizierung, Betreiberentwicklung und langfristige Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren.

Diese Baustelle fordert deshalb: Berlin braucht Förderlogiken für gemischte gemeinwohlorientierte Immobilien und eine verlässliche Förderung der kooperativen Strukturen, die solche Projekte entwickeln, koordinieren und tragfähig machen.

Baustelle ›Gemischte Immobilien­konzepte fördern – Wohnen, Gewerbe & Soziales verbinden‹ im Netzwerk

Veranstaltungen zur Baustelle »Gemischte Immobilien­konzepte fördern – Wohnen, Gewerbe & Soziales verbinden«

Beiträge zur Baustelle »Gemischte Immobilien­konzepte fördern – Wohnen, Gewerbe & Soziales verbinden« im Magazin

zu Baustelle #1 | Baustelle #7 | Baustelle #10

StadtSalon

Neues Salon-Format in der StadtWERKSTATT-FK: Diskursräume für kooperative Stadtentwicklung In der StadtWERKSTATT Friedrichshain-Kreuzberg entsteht ein neues diskursives Format: der Salon. Es ist kein Vortrag, keine Tagung, keine Paneldiskussion – sondern…

Beitrag aufrufen
zu Baustelle #5 | Baustelle #7 | Baustelle #2

Stadtkonferenz Berlin 2030: Mit Bodenpolitik zur nachhaltigen Stadt für Alle?

Der „Runde Tisch Liegenschaftspolitik“ feiert diesen Herbst Jubiläum und wirft seinen Blick zurück – vor allem aber nach vorn! Seit 12 Jahren tagt der „Runde Tisch” im Berliner Abgeordnetenhaus –…

Beitrag aufrufen