Ankommen und Bleiben durch nutzungsgemischte Gebäude ermöglichen
Berlin steht weiterhin vor der Aufgabe, ausreichend Wohn- und Unterbringungsmöglichkeiten für geflüchtete Menschen zu schaffen. Zwar sind die Zugangszahlen zuletzt zurückgegangen, die bestehenden Unterkünfte bleiben aber stark ausgelastet. Anfang 2026 waren in Berlin rund 38.000 geflüchtete Menschen in Unterkünften des Landes untergebracht. Ein Teil davon lebt weiterhin in Notunterkünften, Ankunftsstrukturen oder Hotels.
Für Friedrichshain-Kreuzberg bleibt deshalb die Frage aktuell, wie neue Wohn- und Unterbringungsangebote entstehen können, ohne Menschen in großen, isolierten Sonderstandorten unterzubringen. Das bezirkliche Konzept „Ankommen und Bleiben“ setzt dafür auf kleinere, dezentrale und nutzungsgemischte Projekte.
Ziel ist nicht, Gebäude zu schaffen, in denen geflüchtete Menschen getrennt vom Quartier leben. Ziel sind Räume, die Wohnen, soziale Infrastruktur, Beratung, Qualifizierung, Kinderbetreuung, Trägerwohnungen und nachbarschaftliche Nutzungen verbinden. So können neue Projekte nicht nur Unterbringung ermöglichen, sondern auch Teilhabe, Begegnung und zusätzliche Infrastruktur für den Kiez schaffen.

Vom Unterbringungsdruck zum integrierten Stadtentwicklungsansatz
Der ursprüngliche Anlass des bezirklichen Konzepts war die landesweite Suche nach zusätzlichen Unterbringungsplätzen. Statt zwei großformatige modulare Unterkünfte mit jeweils 500 Plätzen umzusetzen, entwickelte Friedrichshain-Kreuzberg einen eigenen Ansatz: mehrere kleinere Projekte an unterschiedlichen Standorten, eingebettet in lokale Bedarfe und kooperative Planungsprozesse.
Dieser Ansatz ist heute weiterhin relevant. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, zusätzliche Plätze zu schaffen. Entscheidend ist, ob daraus langfristig nutzbare Gebäude entstehen, die Ankommen, Wohnen, soziale Unterstützung und Teilhabe im Quartier ermöglichen.
Nutzungsmischung schafft Teilhabe statt Sonderstandorte
Das bezirkliche Konzept schlägt vor, Wohn- und Unterbringungsangebote für geflüchtete Menschen mit anderen Nutzungen zu kombinieren. Dazu gehören zum Beispiel Kitas, Trägerwohnungen, Projekträume für Qualifizierung und Betreuung, soziale Infrastruktur oder gemeinwohlorientierte Gewerbenutzungen.
Solche Gebäude schaffen Schnittstellen zum Quartier. Sie können geschützte Wohn- und Unterstützungsangebote bieten und zugleich Räume öffnen, die auch von anderen Bewohner*innen genutzt werden. Damit wird die Unterbringung geflüchteter Menschen nicht als isolierte Sonderaufgabe behandelt, sondern als Teil einer integrierten gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung.
Aus Standortsuche wurde kooperative Projektentwicklung
Das bezirkliche Konzept „Ankommen und Bleiben“ war nicht nur eine Liste möglicher Standorte. Es war Ausgangspunkt für einen Such- und Lernprozess: Welche Grundstücke eignen sich? Welche Nutzungen können kombiniert werden? Welche Fachämter, Träger, Nachbarschaften und zivilgesellschaftlichen Akteure müssen einbezogen werden?
Die Eignung einzelner Standorte sollte jeweils standortbezogen geprüft werden. Dafür wurden im Konzept Lernlabore, Werkstätten, Bauhütten, Ausstellungen und Beteiligungsformate vor Ort vorgesehen. In solchen Formaten konnten unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen: Unterbringung und Wohnen, soziale Infrastruktur, Nachbarschaft, Städtebau, Trägerschaft und langfristige Nutzung.
An mehreren Orten wurde dieser Ansatz praktisch aufgegriffen. Besonders deutlich zeigt sich das an der Franz-Künstler-Straße. Dort wurde die Frage, wie neuer Wohnraum auch für geflüchtete Menschen entstehen kann, mit weiteren Anforderungen verbunden: sozialer Infrastruktur, Baumerhalt, städtebaulicher Qualität, Beteiligung und kooperativer Projektentwicklung mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft.
Damit bleibt „Ankommen und Bleiben“ als Arbeitsansatz relevant: Aus der Suche nach Unterbringungsplätzen wurde ein kooperativer Ansatz, um nutzungsgemischte Räume für Wohnen, Unterstützung und Teilhabe im Quartier zu entwickeln.






