Neue Kooperationen
für leistbare und offene Räume

in Friedrichshain-Kreuzberg

Baustelle #26

Gemeinschaftlicher Ankauf aufgeteilter Häuser

Neue intermediäre Ankaufstrukturen schaffen, mit denen Bewohner*innen ihre Häuser gemeinschaftlich sichern können.

Viele Mietshäuser wurden in den vergangenen Jahren in Eigentums­wohnungen aufgeteilt. Die unmittel­bare Verdrängung beginnt oft erst Jahre später, wenn Wohnungen verkauft und Eigen­bedarfs­kündigungen ausge­sprochen werden. Zwischen Auf­teilung und tat­säch­lichem Wohn­raum­verlust liegt jedoch häufig ein Zeitraum, in dem sich Haus­gemein­schaften organisieren und gemeinsame Handlungs­strategien entwickeln können.

Der Ansatz verbindet bestehende Förderinstrumente mit einer neuen inter­mediären Ankauf­struktur. Organisierte Hausgemein­schaften sollen dadurch zu handlungs­fähigen Akteuren werden, die ihre Häuser gemein­schaftlich sichern können.

Nicht die Genossenschaft steht am Anfang – sondern die Hausgemeinschaft

Der Ausgangspunkt dieser Strategie ist nicht eine bestehende Genossen­schaft, sondern die Organisation der Bewohner*innen selbst.

Erst wenn sich Mieter*innen als Hausgemeinschaft zusammenschließen, gemeinsame Ziele entwickeln und Verantwortung übernehmen, können sie zu einem handlungsfähigen Akteur werden. Aus einer zunächst losen Nachbarschaft entsteht so ein Partner, der gemeinsam mit professio­nellen Trägern einen gemeinschaftlichen Ankauf vorbereiten kann.

Bestehende Förderinstrumente neu zusammenführen

Berlin verfügt bereits über Förderinstrumente für den Erwerb von Wohnraum durch Genossenschaften.

Dabei greifen zwei Ebenen ineinander:

  • Förderung von Genossenschaften durch zinslose Darlehen für den Bestandsankauf.
  • Förderung der Mitglieder durch zinslose Darlehen für den Erwerb von Genossenschaftsanteilen.

Bislang werden diese Instrumente überwiegend im Neubau oder beim klassischen Bestands­erwerb genutzt. Die hier vorgeschlagene Strategie besteht darin, beide Förderwege gezielt für organisierte Hausgemein­schaften in aufgeteilten Häusern zusammen­zuführen.

Eine kooperative Ankaufstruktur könnte den entscheidenden Unterschied machen

Damit organisierte Hausgemeinschaften tatsächlich ankaufsfähig werden, braucht es eine professionelle intermediäre Struktur.

Sie könnte insbesondere drei Aufgaben übernehmen:

  • Beratung der Hausgemeinschaften und Begleitung ihrer Selbstorganisation.
  • Projektentwicklung mit Prüfung, Verhandlung, Finanzierung und Prozesssteuerung.
  • Inkubator zur Entwicklung geeigneter Trägerstrukturen, beispielsweise als Dachgenossenschaft für einzelne Hausgenossenschaften.

Getragen werden könnte eine solche Struktur gemeinschaftlich durch kommunale Strukturen und gemein­wohl­orientierte Wohnungs­unter­nehmen bzw. Genossenschaften. Sie würde nicht selbst Häuser erwerben, sondern die Voraus­setzungen schaffen, damit organisierte Haus­gemein­schaften dies gemeinsam mit geeigneten Trägern tun können.

Aus Nachbarschaften werden handlungs­fähige Akteure

Der gemeinschaftliche Ankauf ist deshalb weit mehr als ein Finanzierungs­modell.

Er beschreibt einen Entwicklungs­prozess:

  • Aus einzelnen Mieter*innen wird eine organisierte Hausge­meinschaft.
  • Aus Beratung entsteht Handlungs­fähigkeit.
  • Aus einer Idee entsteht eine tragfähige Träger­struktur.
  • Aus bestehenden Förder­instrumenten wird eine realisierbare Finanzierung.
  • Aus einem gefährdeten Mietshaus kann dauerhaft gemein­wohl­orientierter Bestand werden.

Das Schaubild oben beschreibt diesen Prozess Schritt für Schritt.

Die Strategie wird bereits gemeinsam weiterentwickelt

Die hier vorgestellte Ankaufstrategie ist kein bestehendes Förder­programm, sondern ein Entwicklungsansatz. Sie baut auf vorhandenen Förder­instru­menten auf und verbindet diese mit der Idee einer neuen interme­diären Ankaufs­struktur.

Die konzeptionelle Weiterentwicklung erfolgt derzeit im bundesweiten Bündnis „Wohnungsnot durch Umwand­lung und Eigenbedarfs­kündi­gungen stoppen!“. Innerhalb des Bündnisses arbeitet die AG Ankauf gemeinsam mit Vertreter*innen aus Bezirken, Genossen­schaften, Wohnungs­wirtschaft, Recht und Stadt­ent­wick­lung daran, die organisa­torischen, rechtlichen und wirtschaft­lichen Voraus­setzungen einer kooperativen Ankaufs­agentur und geeigneter Träger­strukturen weiter auszuarbeiten.


Hintergründe und Quellen:

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