Kooperationsplattform / Erklärung zu den Begriffen und Kategorien auf der Plattform

Baustellen, Aktionsfelder, Akteur*innen, Kompetenzbereiche. Was steckt hinter den Begriffen?

Auf dieser Plattform unter dem Titel ›Baustelle Gemeinwohl‹ werden Kooperationsprojekte beschrieben, die wir als „Baustellen“ bezeichnen. An diesen Baustellen sind diverse „Akteur*innen“ beteiligt, die untereinander sehr unterschiedlich strukturiert und verbunden sein können und verschiedene Kompetenzen und Expertise einbringen.

„BAUSTELLEN“ bezeichnen die großen Kooperationsprojekte

Der Begriff „Baustelle“ ist auf dieser Plattform gleichzusetzen mit dem Begriff „Kooperationsprojekt“. Gemeint ist eine gemeinsame inhaltliche Baustelle, zu der in kooperativer Anstrengung eine Lösung und Form gesucht wird. So ist z.B. der Aufbau der Plattform selbst als eine solche Baustelle zu verstehen.

Nicht gemeint ist ein „Bauloch“, also eine tatsächliche physische Baustelle im Stadtbild, auf der ein Immobilienprojekt entstehen soll. In manchen Fällen kann sich das zum Verwechseln ähnlich sein. So z.B. bei der gemeinsamen Baustelle ›Modelprojekt Rathausblock/Dragonerareal‹, denn da gibt es zwar irgendwann tatsächlich auch ein Bauloch an dem gebaggert wird, aber auf dieser Plattform meinen wir mit der Baustelle ›Modelprojekt Rathausblock/Dragonerareal‹ den gesamten kooperativen Aushandlungsprozess, der zum Aufbau eines gemeinwohlorientierten Stadtquartiers in Ko-Produktion führen soll.

„AKTIONSFELDER“ geben Orientierung über die verhandelten Themen

Alle Informationen auf dieser Website werden über die Aktionsfelder kategorisiert. Bei allen Baustellen, Akteur*innen und Berichten wird angegeben, welche Aktionsfelder damit im Bezug stehen.

Das sind die Aktionsfelder, die wir auf dieser Plattform bearbeiten:

  • Bestand – Erhalt, Entwicklung
    Im Aktionsfeld „Bestand“ werden Projekte bearbeitet, die mehr Gemeinwohlorientierung im Bestand zum Ziel haben. So z.B. die Ausübung von Vorkaufsrechten in Milieuschutzgebieten oder anderen Satzungsgebieten, das direkte Ankaufen von Immobilien für gemeinwohlorientierte Akteur*innen, das energetische und/oder ökologische Qualifizieren des Bestands unter Vermeidung von Verdrängungseffekten.
  • Commoning – Allemende, Reclaiming, Gemeinwirtschaft
    In diesem Aktionsfeld finden sich Projekte und Akteur*innen zum Erhalt, der Pflege oder der Bildung von materiellen wie nicht-materiellen Ressourcen, die von möglichst allen genutzt werden können sollen, ohne sie zu verbrauchen. Commoning ist aktives Handeln gegen die „commons-unfreundliche Umgebung“, die Zugänge über Eigentums- und Nutzungsrechte beschränkt.
  • Gleichbehandlung – Antidiskriminierung, Antirassismus
    Hier finden sich Projekte, Akteur*innen und Berichte, die im Bereich der räumlichen Stadt­entwicklung z.B. Zusammen­hänge mit der Kolonia­lismus-Vergangen­heit, struktu­relle Benach­teili­gungen oder Überlegen­heits­vorstellungen von gesellschaft­lichen Gruppen auf­zeigen und beseitigen (wollen).
  • Governance – Beteiligung, Kooperative Strukturen, Munizipalismus
    Hier finden sich alle Inhalte der Plattform, die sich mit dem Themen­bereich zur zeit­gemäßen Form des gesellschaft­lichen Aushandelns und Entscheidens befassen. Hier finden sich alle Inhalte auf der Plattform, die sich mit der zeit­gemäßen Form des gesellschaft­lichen Aushandelns und Entscheidens befassen. In der Realität der Städte finden neben dem „hoheit­lichen Regieren“ vielfältige weitere Verhand­lungen statt und eine selbst­bewusster und informierter werdende Bürger*innen­gesell­schaft drängt auf im Sinne eines Munizipa­lismus auf Beteiligung. Der Begriff Governance fokussiert auf eine verteilte Verant­wortung für städtisches Handeln über Regierung und Verwal­tung hinaus. Es geht also um Fragen zur Macht­verteilung und Koopera­tion in Stadt­entwicklungs­prozessen. Governance zeigt sich in Prozessen, in denen sich viele Akteure miteinander abstimmen und Regelungen vereinbaren. Die Schnitt­stellen vervielfachen sich, Übersetzungen werden nötig und neue Akteure entstehen als Vermittler*innen in diesem Aushandlungs­raum.
  • Interaktionen – Interaktionen, Temporäres, Experimentelles, Protest
    In diesem Aktionsfeld finden Sie Akteur*innen, Baustellen, Veranstaltungen und Berichte, die versuchen Spielräume für mehr Gemeinwohl­orientierung zeitweilig zu nutzen. Es geht um experimen­telle Stadt­entwicklungs­projekte in Zwischen­nutzungen, über die Positionen und Konzepte ausprobiert werden, um Erfahrungen zu sammeln und deren Wirksamkeit zu prüfen. Auch auf konkrete Projekte oder Baustellen bezogene Protest­bündnisse werden in diesem Aktions­feld aufgeführt, da mit diesen Projekten gegen die starren Rahmen aufbegehrt wird, um Regelungen zu beein­flussen und bisher gesetzte Grenzen z.B. durch die Markt-Orientierung zu verschieben. Protest führt hier oft zu Impro­visation, was als Antwort auf Unwägbar­keiten gesellschaft­licher Entwick­lungen und als konstruktive Strategie hinsichtlich der Unplanbarkeit von Stadt gesehen wird.
  • Neubau – Neubauentwicklung, Daseinsvorsorge, Infrastrukturplanung
    In diesem Aktionsfeld sammeln sich alle Inhalte der Plattform, die im engeren Sinne auf die noch zu bauende Stadt bezogen sind. Es geht z.B. um Fragen der Boden­nutzung und der baulichen Entwick­lung für gemeinwohl­orientierte Bedarfe. In diesem Feld finden Sie Berichte über die Aushandlung stadträumlicher Nutzungen, bei denen Gemeinwohlorientierung als Gegenposition gegenüber den Interessen von privaten Projektentwickler*innen deutlich wird, die auf die Erwirtschaftung bloßer finanzieller Rendite ausgerichtet sind.
  • Öffentlicher Raum – Verkehr, Natur, Stadtklima
    Mit diesem weit gefassten Aktions­feld bezeichnen wir auf dieser Plattform alle Projekte, die sich um die urbanen Räume zwischen den Häuser befassen. Gemeinwohlorientierung in der räumlichen Stadt­entwicklung bezieht sich natürlich auch auf die Erhaltung und Schaffung von Natur- und Grünräumen, sowie um Nutzungs­qualitäten zur Erholung. Die Beschaffen­heit der Zwischen­räume angefangen mit den Ober­flächen der Immobilien haben starken Einfluss auf das städtische Klima, den Wasser­haushalt und den Ressourcen­verbrauch bzw. -schonung.
  • Housing – Wohnen, Gewerbe, Soziales
    Dieses Aktionsfeld bezieht sich auf die Nutzung von Immobilien für gemeinwohl­orientierte Bedarfe. Wir haben in Berlin nicht einfach einen generellen Mangel an Wohnraum, sondern einen eklatanten Mangel an gefördertem und leistbaren Wohnraum, sowie an alter­nativen Wohnungs­formen für alle Arten des Gemeinschafts­wohnen z.B. im Care-Sektor. Auch bei Gewerbe-Immobilien gibt es Leerstand in Luxus-Segmenten aber extremen Mangel und starke Verdrängung von z.B. Handwerk und versorgenden Dienst­leistungen. Auch Raum für soziale Einrich­tungen, die in aller Regel über Förder­programme finanziert und entsprechend limitiert nur Mieten bezahlen können, liefern unverzicht­bare Beiträge zur Daseins­vorsorge. Um Raum für solche Nutzungen in der Stadt zu erhalten oder zu schaffen, geht es im Aktionsfeld „Housing“.

„AKTEUR*INNEN“ auf unterschiedlichen Organisationseben

Wir haben folgende „Arten“ von Akteur*innen eingeführt, die helfen sollen die Informationen auf dieser Website zu strukturieren:

  • Initiative/Verein/Gruppe …
    Zivilgesellschaftlich Kooperierende, die sich als gruppenbasiert organisierte Teilnehmende verstehen.
  • Projekt, Koop-Struktur
    Projekte sind oft temporäre Zusammenschlüsse von mehreren und wechselnden Personen und Akteuren, die sich einer bestimmten Aufgabe annehmen und diese funktional ausfüllen. Projekte sind zumindest teilfinanziert und werden von sehr unterschiedlich gestalteten zw. verfassten Projektträger*innen verwaltet.
  • Verwaltungseinheit
    Verwaltungseinheiten können größer oder kleiner gefasst bzw. verstanden werden. Das Bezirksamt wäre eine große Einheit, eine kleine wäre z.B. eine sehr spezialisierte Abteilung des Stadtplanungsamts. Auch Amtsinhaber*innen, also Menschen die qua Amt als Kooperationspartner*innen fungieren, werden als Verwaltungseinheit angesehen.
  • Formate der Zusammenarbeit
    Akteurinnen bilden in verschiedenen Zusammensetzungen Formate der Zusammenarbeit. Diese werden oft Arbeitsgruppen genannt, oder es gibt einen „Jour Fixe“ zur Abstimmung zwischen Kooperationsakteurinnen.
  • Unternehmen
    Selbständige, freie Berufe, Genossenschaften, Stiftungen Wohnungsbaugesellschaften und alle gewerbetreibenden Gesellschaftsformen (GbR, GmbH, KG, AG, …) – also alle Akteur*innen, die in ausführender Funktion des jeweiligen Unternehmens kooperieren, auch wenn sie gemeinnützig sind oder nach den Richtlinien der Gemeinwirtschaft handeln.
  • Netzwerk
    Netzwerke bilden Strukturen zwischen allen Arten von Akteur*innen und dienen dem Informationsaustausch, Wissenstransfer, der gegenseitigen solidarischen Unterstützung oder zum Lobbying.

Alle diese Gruppen-Akteur*innen bestehen in der Regel aus mehreren Menschen/Personen, sie können aber auch Beteiligte anderer Art umfassen. Insbesondere in Netz­werken können Akteur*innen auf völlig unterschied­lichen Ebenen zusammen­arbeiten. Daraus leiten wir die Regel (Syntax) ab, dass immer die größere Einheit eine Ver­bindung zur kleineren anzeigt.
Also z.B: Im Netz­werk ist > ein Verein – im Verein ist > ein Unter­nehmen.

Die Beteiligten an der Baustelle Gemeinwohl Platt­form haben sich dafür entschieden, Einzel­personen zunächst nicht als Akteur*innen aufzu­führen. Vielleicht wird es für Einzelne zu einem späteren Zeit­punkt andere Möglich­keiten zur Beteili­gung auf der Platt­form geben – z.B. als Beteiligte an Diskussionen oder Arbeits­gruppen usw.

KOMPETENZBEREICHE bezeichnen selbstbestimmt die Fähigkeiten der Akteur*innen

Den Akteur*innen geben wir die Möglichkeit, ihre eigene Befähigung mit einer Zuordnung zu diesen Bereichen darzustellen, um so Informationen zu den Akteur*innen übersichtlicher aufbereiten zu können.

  • Beratung – Politik-, Organisations-, Rechts- und Verfahrensentwicklung, Beratung
    Akteure, die zu rechtlichen oder organisatorischen Strukturentwicklungen Expertise einbringen.
  • Immo-Management – Immobilienwirtschaft, -verwaltung, -bau, -begutachtung
    Tätigkeit als (potenzieller) Bauherr*in oder in einer anderen Form des Immobilien-Managements, bzw. der Immobilien-Bewirtschaftung.
  • Kommunikation – Öffentlichkeits- und Medienarbeit
    Kommunikationberatung, -gestaltung, Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Pressearbeit, Promotion, Lobbying und jede Form von redaktioneller bzw. journalistischer Arbeit.
  • Koordinierung – Prozesssteuerung & -förderung
    Organisation und Steuerung von kooperativen Prozessen, Beteiligungsverfahren und anderen Abstimmungsprozessen mit vielen Akteur*innen.
  • Planung der gebauten Stadt
    Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur und alle anderen Planungsbereiche einschließlich der Tätigkeitsbereich auf Verwaltungsseite (Bauleitplanung, Infrastukturplanung, etc.)
  • Selbstorganisation – Betroffenenvertretung, Community Building
    Zivilgesellschaftliches Gemeinschaffen, in basisorganisatorischen Verbindungen, z.B. als lokale, soziale oder solidarische Gruppierungen, die sich für ihre Interessen oder in Anwaltschaft für Benachteiligte einsetzen.
  • Soziale Trägerschaft und Einrichtungen
    Organisation, Leitung und Management von sozialen Dienstleistungen, Gemeinwesenarbeit, Pflege, Kinder/Jugend/Familie usw.
  • Stadtforschung – Bedarfsermittlung, Stadt- und Sozialforschung, Wissenstransfer
    Befragungen, Auswertungen, Statistiken, Data-Mining und Data-Visualisierung

Auch der hier mehrfach verwendete Begriff der „Gemeinwohlorientierung“ ist im Allgemeinverständnis noch nicht vollkommen eindeutig besetzt. Das ist genau ein Grund, den Begriff zu nehmen und inhaltlich aufzuladen.

Das „Glossar zur gemeinwohlorientierten Stadt“

Im Jahr 2020 ist im Rahmen der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ von Bund, Ländern und Kommunen das „Glossar zur gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung“ vom Bundesinstitut für Bau-, stadt-, und Raumforschung (BBSR) herausgegeben worden. Das Buch ist das Resultat eines kollaborativen Prozesses der Sammlung und Bearbeitung von Begriffen, an dem Akteure aus ganz Deutschland teilgenommen haben. Alle Begriffe dieses Glossars, die auch auf dieser Plattform verwendet werden, sind auf der LokalBau-Website in einer online-Fassung des Buchs aufzurufen.