Unter dem Begriff „Rudolfband“ werden die Gebiete im Ortsteil Friedrichshain zusammengefasst, die südlich bzw. westlich der S-Bahntrassen liegen. Mögliche Entwicklungspotenziale zur Stärkung der „Berliner Mischung“ mit der Absicherung von gewerblichen Nutzungen sollen jetzt erarbeitet und diskutiert werden.
Der Planungsraum teilt sich in 3 Abschnitte:
Rudolfband West: Das Teilgebiet liegt zwischen dem U-Bahnhof Warschauer Straße und der Modersohnstraße. Im Norden wird es durch die Gleisanlagen der Stadtbahn und nach Süden durch die Rudolfstraße begrenzt.
Rudolfband Mitte: Das Teilgebiet liegt zwischen der Modersohnstraße und dem Markgrafendamm. Im Norden wird es durch Gleisanlagen der Stadtbahn und nach Süden durch die Fläche der Emanuel-Lasker-Schule, den angrenzenden Sportanlagen und der Laskerstraße begrenzt.
Rudolfband Ost: Der Bereich Rudolfband Ost grenzt westlich an die Ringbahntrasse, südlich an den Bahnhof Ostkreuz, östlich an den Markgrafendamm und nördlich an die Straße Alt-Stralau an. Das Gebiet befindet sich im Südosten des Ortsteiles Friedrichshain und gehört zum Stralauer Kiez.
Zielstellung des Integrierten Entwicklungskonzeptes (IEK)
Grundsätzliche Zielstellung zur Entwicklung des Rudolfbands ist aus bezirklicher Sicht der Erhalt und die zukünftige Sicherung der Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Kultur und soziale Infrastruktur, im Rudolfband und den anliegenden Kiezen, wobei der Schwerpunkt auf der Fortentwicklung der Gewerbeflächen liegt. Dies wurde von der BVV mit dem „Wirtschaftsflächenkonzept“ des Bezirks beschlossen.
Für den überwiegenden Teil der Flächen wurden Nachverdichtungspotentiale ausgemacht wobei bereits genutzte Flächen weiterentwickelt und baulich ergänzt werden sollen. Da es sich dabei sowohl um private Grundstücksflächen, um Flächen der Deutschen Bahn (DB-Netz und Bundeseisenbahnvermögen) und um Flächen des Landes Berlin handelt, sind die Eigentümerstrukturen, ausgehend von den bisherigen Nutzungen im Hinblick auf die konzeptionellen Planungsziele zu berücksichtigen.
Der Fachbereich Stadtplanung hat 2024 die Erstellung eines Integrierten Entwicklungskonzeptes (IEK) beauftragt. Diese Studie wurde vom Büro ›bläser jansen partner‹ erstellt und zeigt die mögliche städtebauliche Entwicklung des Gebiets bei Erhalt der bestehenden gewerblichen Nutzungen. Neben der Ausweisung von Potenzialen für ergänzende Nutzungen wurden insbesondere die Themen Erschließung, Denkmalschutz, Freiraumgestaltung und Klimaanpassung betrachtet und berücksichtigt.
Im IEK wird eine städtebauliche Vision vorgeschlagen, wie die gewerbliche Entwicklung mit den umliegenden Nutzungen verträglich gestaltet werden kann. Im Rahmen der Studienerarbeitung wurden im Laufe des Jahres 2024 auch öffentliche Stadtwerkstätten durchgeführt und die Beiträge dieser Beteiligungsveranstaltungen sind sowohl auf der dieser Plattform dokumentiert, wie ins Ergebnis der Studie eingeflossen. Der interessierten Öffentlichkeit wurde das Ergebnis in einer dritten Stadtwerkstatt in der Zwingli-Kirche am 22. Juli 2025 vorgestellt und weiter diskutiert.
Mit dem IEK „Rudolfband“ hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am 7. Mai 2025 eine umfassende Strategie zur nachhaltigen Entwicklung des Stralauer Kiezes beschlossen. Sie ist das Ergebnis eines außergewöhnlich intensiven kooperativen Prozesses, in dem das Wissen von Öffentlichkeit, Eigentümer*innen, Gewerbebetrieben, Initiativen und Verwaltung systematisch zusammengeführt wurde. So entstand kein Leitbild aus Einzelinteressen, sondern eine gemeinwohlorientierte Entwicklungsstrategie, die an das bezirkliche Gewerberaumkonzept anknüpft.
Mit einem Planungshorizont von 20 Jahren sieht das Konzept Nachverdichtungen und aktivierende Maßnahmen für rund 58.000 m² Bruttogeschossfläche vor. Langfristig soll das Rudolfband zu einem Modell für integrierte Stadtentwicklung werden, das wirtschaftliche Stabilität mit hoher Lebensqualität vereint.
Überlegungen zu den Vorhalteflächen für die A-100
Ganz im Süden des Planungsgebietes überschneidet sich das Rudolfband Ost mit dem Planungsgebiet des 17. Bauabschnitts für die Bundesautobahn A-100. Deshalb sind hier derzeit viele Grundstücke als Vorhalteflächen für den Autobahnbau für andere planbare Entwicklungen oder Nutzungen ausgenommen. Dennoch könnten temporäre Zwischennutzungen ermöglicht werden. So ist für den von Verdrängung bedrohten Kulturstandort „Zukunft am Ostkreuz“ (bisher auf dem Grundstück Laskerstr. 5) eine Lösung gefunden worden, die den temporären Umzug auf das Areal entlang der Ringbahntrasse (Alt-Stralau 68) ermöglicht.
Unter dem Projektnamen „Spektakel auf der Autobahn“ findet seit 2022 zu dem Thema eine nachbarschaftliche Selbstorganisation statt und das dazu gebildete Akteursbündnis führte im September 2023 eine gleichnamige Veranstaltungsreihe auf den Vorhalteflächen durch. Am 22. September wurde vor Ort auch zu einer diskursive Stadtwerkstatt geladen, auf der gemeinsam mit Akteuren aus der Nachbarschaft über die Möglichkeiten gesprochen wurde. Das Ergebnisprotokoll der Veranstaltung ist auf dieser Plattform veröffentlicht.
Bebauungspläne im Untersuchungsgebiet
Im Rudolfband liegen derzeit die Geltungsbereiche von drei in Aufstellung befindlichen Bebauungsplänen, deren Planungsziele im weiteren Prozess hinsichtlich der Ergebnisse im IEK überprüft und angepasst werden sollen.

Mit dem Abschluss des kooperativen Prozesses lag erstmals ein gemeinsam erarbeitetes Leitbild für die Entwicklung des Gebiets vor. Die darin formulierten Ziele – insbesondere die langfristige Sicherung produktiver Gewerbestandorte und die Vermeidung bodenpreissteigernder Entwicklungen – wurden jedoch unmittelbar zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen.
Für den Bebauungsplan V-67 entzog der Senat dem Bezirksamt im April 2025 die Planungshoheit. Die Senatsverwaltung verfolgt dort die Entwicklung eines bis zu 167 Meter hohen Wohnturms, für den mittels „Bau-Turbo“ schnell Baurecht erzeugt werden soll. Das vom Entwicklungsgrundstück betroffene Eisenbahnbundesamt hat aber in der Beteiligung öffentlicher Träger nicht zugestimmt.
Aus Sicht des Bezirks widerspricht diese Planung den im IEK gemeinsam entwickelten Entwicklungszielen und droht neue bodenrechtliche Spannungen auszulösen.
Die daraus entstandene Konfliktlage wurde auch von der Bezirksverordnetenversammlung aufgegriffen. Sie lud gemeinsam mit den Strukturen der kooperativen Stadtentwicklung zu einer öffentlichen Einwohnenden-Versammlung ein und machte damit die unterschiedlichen Planungsansätze von Bezirksamt und Senatsverwaltung selbst zum Gegenstand einer öffentlichen Debatte.







Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) erklärte auf der Bürger*innen-Dialogveranstaltung der BVV das laufende B-Plan-Verfahren des Senats. Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne) verdeutlichte die fachliche Gegenposition, die vom Bezirksamt mittels IEK beschlossen wurde. Bürger*innen konnten mit Ihnen und den Vorhabenträgern der Atrium Development GmbH diskutieren.
Damit wurde deutlich, dass kooperativ entwickelte Leitbilder nicht mit dem Abschluss eines Konzepts wirksam werden, sondern auch in der politischen Auseinandersetzung öffentlich vertreten und verteidigt werden müssen.
Die Senatsverwaltung führt das Bebauungsplanverfahren unvermindert fort und hat eine neue Öffentlichkeitsbeteiligung eingerichtet.
Einladung: Rudolfband Stadtwerkstatt 3
Rudolfband: Stadtwerkstatt 3 – Abschlussveranstaltung IEK
Di., 22. Juli 2025, 17:30 – 20:30
Dritte öffentlich Stadtwerkstatt zum Untersuchungsgebiet „Rudolfband“ Wie geht es weiter nachdem der Bezirk ein Integriertes Entwicklungskonzept (IEK) für das Rudolfband beschlossen hat, der Senat dem Bezirk nun aber das Planungsrechts…
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Rudolfband: Integriertes Entwicklungskonzept (IEK) zum Download
Die vom Büro ›bläser jansen partner‹ erstelle Studie liegt nun vor und kann heruntergeladen werden. Abschlusspräsentation Studie
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Rudolfband Stadtwerkstatt 1: Anwohnende analysieren den Bestand
Der Abend teilte sich programmatisch in zwei Teile: Im ersten Teil wurde eine Bestandsanalyse gezeigt, die bereits von bläser jansen partner und form follows you erarbeite wurde. Im zweiten Teil wurde an vier Thementischen mit allen Anwesenden herausgearbeitet, wie die Bestandssituation empfunden wird und welche Wünsche für eine mögliche Entwicklung sich daraus ableiten lassen.
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