Pressemitteilung, Mo.2.3.2026
Mit dem Bündnis „SEZ-QUARTIER neu Denken“ hat sich eine neue, fachübergreifende Initiativgruppe aus Fachleuten aus Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, Denkmalschutz, Ingenieurwesen, Kunst- und Kulturproduktion und aus den Bürgerinitiativen gebildet. Innerhalb weniger Tage wurde ein gemeinsamer Kompromissvorschlag erarbeitet, der den Neubau von im B-Plan geforderten 500 Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) ermöglicht und gleichzeitig zentrale Teile des Bestands erhält.
Das Bündnis versteht sich ausdrücklich als pro-wohnungsbauorientiert. Das vorgelegte Konzept belegt die grundsätzliche Vereinbarkeit von Wohnungsneubau und Bestandserhalt. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll die beste Variante gefunden und geprüft werden. Bis zur Klärung der verbundenen städtebaulichen und wirtschaftlichen Fragen fordert das Bündnis ein Abrissmoratorium.
„Wir schlagen keinen Stillstand vor, sondern eine ernsthafte Untersuchung unserer Alternative“, sagt Susanne Lorenz von der Initiative ›SEZ für alle!‹. „Bisher wurde im Verfahren nie geprüft, ob Bestandserhalt nicht vielleicht Vorteile hätte. Bevor ein Abriss unumkehrbare Fakten schafft, sollte sorgfältig untersucht werden, ob nicht gerade der Erhalt des Bestands und die behutsame Weiterentwicklung des Areals die nachhaltigere und für alle Beteiligten bessere Lösung darstellen.“
Im Mittelpunkt des Konzepts steht eine vertikal verdichtete Wohnbebauung mit vier Hochpunkten in einfacher und experimentell-ökologischer Bauweise. Die prägenden Hallenstrukturen des SEZ sollen in gebäudetechnisch vereinfachter und dadurch kostengünstiger Form weitergenutzt werden. Das Konzept sieht eine Low-Tech-Transformation in mehrere vermietbare Nutzungszonen vor. Es entstehen Synergieeffekte und erhebliche Kostenvorteile gegenüber einer vollständigen Neuerrichtung.
Das Konzept wurde im Rahmen eines Fachworkshops entwickelt. Dass innerhalb kurzer Zeit ein tragfähiger Kompromiss formuliert werden konnte, wird im Bündnis auch als Ausdruck funktionierender Strukturen der kooperativen Stadtentwicklung im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg verstanden.
„Der 2018 festgesetzte Bebauungsplan verfolgt das richtige Ziel: Wohnraum mit sozialer Infrastruktur in innerstädtischer Lage zu schaffen“, sagt Theresa Keilhacker, Architektin und eheml. Präsidentin der Architektenkammer. „Eine Weiterentwicklung unter Nutzung neuer Instrumente wie ressourcensparende Bestandertüchtigung und Gebäude-Typ E – „e“ wie einfach bzw. experimentell – ist fachlich plausibel und geboten.“
Die vorgeschlagene städtebauliche Figur mit Hochpunkten ist seit der Ost-Moderne ortstypisch und prägend im westlichen Friedrichshain und wurden vielerorts über Jahrzehnte verträglich ergänzt.
„Die vertikale Staffelung am Rand des Volksparks Friedrichshain knüpft daran an und schafft einen allmählichen Übergang vom Grünraum in die Stadt“, ergänzt die Landschaftsarchitektin Prof. Ariane Röntz. „So entsteht qualitätsvolles Wohnen am Park, während der öffentliche Freiraum bis an das SEZ heran – und perspektivisch durch die Halle hindurch – weitergeführt werden kann.“
Florian Schmidt, Baustadtrat im Bezirk (B’90/Grüne) erklärt: „Mit dem Wohnungsbau auf dem SEZ als auch in der Umgebung wächst auch der Bedarf an neuen Angeboten für Erholung und Zusammenleben. Zudem ist der gesamte Bezirk unterversorgt was Sportflächen betrifft. Die vorhandene Großstruktur des SEZ ermöglicht es, dringend benötigte Flächen für Sport, soziale Angebote und Kultur wirtschaftlich in den Bestand zu integrieren – das ist ökonomisch und sozial relevant.“
Das Bündnis fordert daher ein Abrissmoratorium, bis die städtebaulichen und wirtschaftlichen Fragen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, die auch den Bestandserhalt prüft, geklärt sind.
„Verantwortung bedeutet, Alternativen ernsthaft zu prüfen“, sagt der Architekt Pedro Moreira. „Der teilweise Erhalt des SEZ spart erhebliche Mengen grauer Energie, schont den Parkbestand und bewahrt einen identitätsstiftenden Ort. Gleichzeitig eröffnen die neuen rechtliche Instrumente des ›Bau-Turbos‹ die Möglichkeit, Wohnungsbau weiterzuentwickeln, ohne das gesamte Planwerk neu zu verhandeln. Eine Machbarkeitsstudie ist deshalb kein Aufschub, sondern Ausdruck politischer Sorgfalt.“
Zusätzliche Informationen
- Vollständiges Konzept „SEZ-Quartier neu Denken – Vertikale Nachverdichtung. Bestand als Ressource für nachhaltige Stadtentwicklung.“ (PDF)
- Mehr zum Bündnis SEZ-QUARTIER neu denken
- Verfügbare Abbildungen zur Presseverwendung
- Interview mit Baustadtrat Florian Schmidt zum Konzeptvorschlag
Pressemitteilung als Datei
Presseecho
- rbb24, 2.3.2026: Ehemaliges Sport- und Erholungszentrum – SEZ-Initiative macht Vorschlag für Wohnungsbau neben den Hallen
- Tagesspiegel, 2.3.2026: „Das SEZ kann saniert werden“: Berliner Initiative legt Alternativplan für Erhalt plus Wohnungsbau vor
- Morgenpost, 2.3.2026: SEZ-Abriss: Friedrichshain-Kreuzberg greift jetzt mit überraschendem Vorschlag ein
- Berliner Kurier, 2.3.2026: Nach Abrissstopp — Kein DDR-Spaßbad mehr: Das ist der neue Plan fürs SEZ > Bündnis zeigt dem Senat, wie sich das SEZ retten und betreiben lässt – und wie ein neuer Kiez entstehen kann.
- nd, 2.3.2026: Neues Konzept für das SEZ: Vier Wohntürme statt Abriss – Kann das SEZ in Berlin-Friedrichshain doch noch gerettet werden? Nach dem Abrissstopp geht die Diskussion weiter
- Entwicklungsstadt.de, 2.3.2026: SEZ-Debatte: Bezirksstadtrat Florian Schmidt wirbt für Hochhaus-Modell
- Berliner Zeitung, 2.3.2026: Schlagabtausch ums SEZ: Zwischen Abrissstopp und neuen Hochhaus-Plänen – Streit im Bauausschuss: Senat plant Abriss des SEZ für Wohnraum, doch ein Bündnis will die Halle durch Hochhaus-Neubauten auf dem Gelände für die Stadt erhalten.
- BZ, 2.3.2026: Gegen Senats-Beschluss – Mit diesen vier Türmen soll der SEZ-Abriss verhindert werden
- Tagesschau.de, 2.3.2026: Berlin – SEZ-Initiative mach Vorschlag für Wohnungsbau neben den Hallen
- Die Zeit, 2.3.2026: Stadtentwicklung – Neues Bündnis schlägt Kompromiss zum SEZ vor
- Süddeutsche Zeitung, 2.3.2026: Stadtentwicklung – Neues Bündnis schlägt Kompromiss zum SEZ vor.
- Süddeutsche Zeitung, 2.3.2026: Stadtentwicklung – Neue Ideen für das SEZ – Lässt sich der Abriss vermeiden? Mit dem ehemaligen SEZ steht ein Stück DDR-Baugeschichte auf der Kippe. Ein Abrissstopp bietet die Chance, noch einmal nachzudenken. Kann ein neues Konzept ein altes Dilemma beseitigen?
- BauNetz, 3.3.2026: Alternative zum Abriss – Zum Ringen um das SEZ in Berlin
- Tagesspiegel, 3.3.2026: Stadtentwicklung: Neue Ideen für das SEZ – Lässt sich der Abriss vermeiden?
- ntv, 2.3.2026: Neue Ideen für das SEZ – Lässt sich der Abriss vermeiden?
- rbb Abendschau, 2.3.2026: Anhörung zum möglichen Abriss des SEZ
- rbb24 Inforadio, 2.3.2026: Aufstand kurz vor Toresschluss
- radioeins, 2.3.2026: SEZ-Debatte: Initiative fordert Erhalt des Gebäudes
- Inforadio, 3.3.2026: Die abenteuerliche Geschichte des SEZ
- nd Muckefuck Newsletter, 3.3.2026: Neue Hoffnung für das SEZ nach Debatte im Abgeordnetenhaus
- Mitteldeutsche Zeitung, 2.3.2026: Neues Bündnis schlägt Kompromiss zum SEZ vor
- Welt, 2.3.2026: Neues Bündnis schlägt Kompromiss zum SEZ vor Berliner
- Abendblatt, 2.3.2026: Neues Bündnis schlägt Kompromiss zum SEZ vor
- domus, 29.3.2026: The battle for Berlin’s SEZ: demolition or a new urban utopia


