Neue Kooperationen
für leistbare und offene Räume

in Friedrichshain-Kreuzberg

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SEZ-Areal: Bündnis schlägt Wohnungsbau mit Bestandserhalt vor – Machbarkeitsstudie vor Abriss gefordert

Mit dem Bündnis „SEZ-QUARTIER neu Denken“ hat sich eine neue, fach­über­greifende Initiativ­gruppe aus Fach­leuten aus Architektur, Stadt- und Land­schafts­­planung, Denkmal­schutz, Ingenieur­wesen, Kunst- und Kultur­produktion und aus den Bürger­initiativen gebildet. Inner­halb weniger Tage wurde ein gemeinsamer Kompromiss­vorschlag erarbeitet, der den Neubau von im B-Plan geforderten 500 Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Sport- und Erholungs­zentrums (SEZ) ermöglicht und gleich­zeitig zentrale Teile des Bestands erhält.

Das Bündnis versteht sich ausdrücklich als pro-wohnungs­bau­orien­tiert. Das vorgelegte Konzept belegt die grund­sätz­liche Verein­bar­keit von Wohnungs­neubau und Bestands­erhalt. Im Rahmen einer Machbarkeits­­studie soll die beste Variante gefunden und geprüft werden. Bis zur Klärung der verbundenen städte­bau­lichen und wirtschaft­lichen Fragen fordert das Bündnis ein Abriss­moratorium.

„Wir schlagen keinen Stillstand vor, sondern eine ernsthafte Untersuchung unserer Alternative“, sagt Susanne Lorenz von der Initiative ›SEZ für alle!‹. „Bisher wurde im Verfahren nie geprüft, ob Bestandserhalt nicht vielleicht Vorteile hätte. Bevor ein Abriss unumkehrbare Fakten schafft, sollte sorgfältig untersucht werden, ob nicht gerade der Erhalt des Bestands und die behutsame Weiterentwicklung des Areals die nachhaltigere und für alle Beteiligten bessere Lösung darstellen.“

Im Mittelpunkt des Konzepts steht eine vertikal verdichtete Wohn­bebauung mit vier Hoch­punkten in einfacher und experi­mentell-ökolo­gischer Bauweise. Die prägenden Hallen­strukturen des SEZ sollen in gebäude­technisch verein­fachter und dadurch kosten­günstiger Form weiter­­genutzt werden. Das Konzept sieht eine Low-Tech-Trans­formation in mehrere ver­miet­bare Nutzungs­zonen vor. Es entstehen Synergie­effekte und erheb­liche Kosten­vorteile gegenüber einer voll­ständigen Neu­errich­tung.

Das Konzept wurde im Rahmen eines Fach­workshops entwickelt. Dass innerhalb kurzer Zeit ein trag­fähiger Kompromiss formuliert werden konnte, wird im Bündnis auch als Ausdruck funktio­nierender Strukturen der koopera­tiven Stadt­entwicklung im Bezirk Fried­richshain-Kreuzberg verstanden.

„Der 2018 fest­gesetzte Bebauungs­plan verfolgt das richtige Ziel: Wohn­raum mit sozialer Infra­struktur in inner­­städtischer Lage zu schaffen“, sagt Theresa Keilhacker, Architektin und eheml. Präsi­dentin der Architekten­kammer. „Eine Weiter­entwicklung unter Nutzung neuer Instru­mente wie ressourcen­sparende Bestand­ertüchtigung und Gebäude-Typ E – „e“ wie einfach bzw. experi­mentell – ist fachlich plausibel und geboten.“

Die vorgeschlagene städtebau­liche Figur mit Hochpunkten ist seit der Ost-Moderne ortstypisch und prägend im westlichen Friedrichshain und wurden vielerorts über Jahrzehnte verträglich ergänzt. 

„Die vertikale Staffelung am Rand des Volksparks Friedrichs­­hain knüpft daran an und schafft einen all­mählichen Über­gang vom Grün­raum in die Stadt“, ergänzt die Land­schafts­architektin Prof. Ariane Röntz. „So entsteht qualitäts­volles Wohnen am Park, während der öffent­liche Frei­raum bis an das SEZ heran – und perspek­tivisch durch die Halle hindurch – weiter­geführt werden kann.“

Florian Schmidt, Baustadt­rat im Bezirk (B’90/Grüne) erklärt: „Mit dem Wohnungs­bau auf dem SEZ als auch in der Umgebung wächst auch der Bedarf an neuen Angeboten für Erholung und Zusammen­leben. Zudem ist der gesamte Bezirk unter­versorgt was Sport­flächen betrifft. Die vorhandene Groß­struktur des SEZ ermög­licht es, dringend benötigte Flächen für Sport, soziale Angebote und Kultur wirt­schaft­lich in den Bestand zu integrieren – das ist ökonomisch und sozial relevant.“

Das Bündnis fordert daher ein Abriss­moratorium, bis die städte­bau­lichen und wirtschaft­lichen Fragen im Rahmen einer Machbar­keits­studie, die auch den Bestands­erhalt prüft, geklärt sind.

„Verantwortung bedeutet, Alter­nativen ernsthaft zu prüfen“, sagt der Architekt Pedro Moreira. „Der teil­weise Erhalt des SEZ spart erhebliche Mengen grauer Energie, schont den Park­bestand und bewahrt einen identi­täts­stif­tenden Ort. Gleich­zeitig eröffnen die neuen rechtliche Instrumente des ›Bau-Turbos‹ die Möglichkeit, Wohnungs­bau weiter­zu­ent­wickeln, ohne das gesamte Planwerk neu zu verhandeln. Eine Mach­bar­keits­studie ist deshalb kein Aufschub, sondern Ausdruck politischer Sorgfalt.“

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In Zusammenarbeit von:Baustadt-rat/rätin Bündnis SEZ-QUARTIER neu denken LokalBau

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