Pressemitteilung des Bündnisses SEZ-QUARTIER neu denken.
Berlin, 16. Juni 2026
Abrissobjekt oder Prototyp?
Fachwelt debattiert den Umgang mit baukulturellen Ressourcen.
Am Freitag, den 19. Juni 2026, lädt das Bündnis SEZ-QUARTIER neu denken gemeinsam mit weiteren Initiativen zur „Langen Tafel der Baukultur“ vor dem ehemaligen Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain ein. Die Veranstaltung ist Teil der bundesweiten Aktion „Lange Tafeln der Baukultur“ der Bundesstiftung Baukultur und wird von Mitgliedern der Stiftung getragen, die auch Beteiligte im Bündnis sind.
Zwischen 15 und 18 Uhr kommen Persönlichkeiten aus Architektur, Stadtplanung, Denkmalpflege, Landschaftsarchitektur, Sport, Kultur und Zivilgesellschaft an der langen Tafel zusammen, um in der Form von öffentlichen Tischreden über die Zukunft des Gebäudes und seiner Freianlagen zu debattieren. Im Fokus stehen die baukulturelle Bedeutung des SEZ, die Potenziale großer Bestandsgebäude für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung sowie die gemeinsame Gestaltung von Transformationsprozessen durch Politik, Fachpraxis, Wissenschaft und Stadtgesellschaft.

Franziska Eichstädt-Bohlig, Architektin, ehemalige Baustadträtin und MdB sagt: „Das SEZ ist ein herausragendes Bauwerk der deutsch-deutschen Architekturgeschichte und ein ikonischer Ort der späten Moderne. Seine Bedeutung liegt nicht nur in der Architektur selbst, sondern auch darin, dass hier beispielhaft verhandelt werden kann, wie wir künftig mit den großen Beständen des 20. Jahrhunderts umgehen wollen. Dabei geht es auch darum, die Sonderbauten der DDR als Teil unseres gemeinsamen baukulturellen Erbes ernst zu nehmen. Wer über Baukultur spricht, muss auch praktisch überlegen, wie solche Gebäude weiterentwickelt werden können.“
Die Debatte um das SEZ hat in den vergangenen Monaten deutlich an Dynamik gewonnen. Während bislang vom Senat ein vollständiger Abriss mit anschließendem Wohnungsbau angestrebt wird, wurde gleichzeitig von der Senatskanzlei ein Konzept für die geplante Internationale Bauausstellung ›IBA Berlin 2034-37‹ vorgestellt. Im Zentrum dieses Ansatzes stehen die Transformation von „schlafenden Riesen“ – also untergenutzten Bestandsgebäuden – und die Weiterentwicklung der Stadt aus dem Bestand heraus, insbesondere entlang der großen Magistralen am S-Bahn-Ring.
In dieser widersprüchlichen Situation hat das ›Bündnis SEZ-Quartier neu denken‹ einen städtebaulichen Kompromissvorschlag vorgestellt, der exemplarisch den Erhalt wesentlicher Teile des Gebäudes mit zusätzlichem Wohnungsbau verbindet. Das SEZ rückt damit als möglicher Prototyp für die IBA Berlin 2034-37 in den Fokus. Die offene Standortdiskussion wird hier zu einer konkreten Debatte über Umbaukultur, Ressourcenschonung und die Transformation bestehender Stadtstrukturen. Die Fragen, die die IBA Berlin beantworten soll, stellen sich am SEZ bereits heute – und können hier nicht nur diskutiert, sondern praktisch bearbeitet werden.
„Die Zukunft des SEZ entscheidet sich an der Frage, ob die Politik bereit ist, die Potenziale dieses Ortes ernsthaft neu zu prüfen. Das SEZ bietet die seltene Chance, Bestandserhalt und Wohnungsbau wirtschaftlich sinnvoll zusammenzubringen. Hier können neben der Schaffung leistbarer Wohnungen dringend benötigte Flächen für Sport und Soziokultur reaktiviert werden, die in diesem Ausmaß und dieser Qualität im Rahmen eines Neubauprojektes nicht realisierbar wären“ sagt Katrin Lompscher, Stadtplanerin und ehemalige Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen und Teil des Bündnisses.
Die Tischreden spannen einen Bogen von der Entstehungsgeschichte des Gebäudes bis zu aktuellen Fragen von Umbaukultur, Kreislaufwirtschaft und gemeinwohlorientierter Stadtentwicklung. Zu den Mitwirkenden zählen neben den bereits genannten der SEZ-Architekt Günter Reiss, Werkbund-Mitglied Ludwig Heimbach, Fluss Bad-Mitgründer Jan Edler und der Architekt Florian Köhl, die Fotografin Prof. Kay Fingerle und Stadtrat Florian Schmidt für Bauen, Planen, Kooperative Stadtentwicklung in Friedrichshain-Kreuzberg.
Damit kommen an einem Tisch Stimmen zusammen, die das Gebäude aus sehr unterschiedlichen fachlichen Perspektiven betrachten und seine Bedeutung für die zukünftige Entwicklung Berlins diskutieren.
Ein begleitendes Kulturprogramm ergänzt die fachlichen Beiträge.
Lange Tafel der Baukultur am SEZ
Freitag, 19. Juni 2026
15:00–18:00 Uhr
Vor dem ehemaligen Sport- und Erholungszentrum (SEZ)
Landsberger Allee 77, 10249 Berlin
Alle Zitatgeber*innen im Text sind Teil der Veranstaltung.
Hintergründe:
- IBA-Konzept des Senats zur geplanten „Internationalen Bauausstellung Berlin 2034-37“
- Kompromissvorschlag des Bündnis SEZ-QUARTIER neu denken
- Forderungen und Mitglieder des Bündnisses
- Aufruf der Bundesstiftung Baukultur zur „Langen Tafel der Baukultur“
- Weitere Informationen in der Veranstaltungsankündigung



