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in Friedrichshain-Kreuzberg

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Ergebnisse der Workshops von „Spektakel auf der Autobahn“ 2022

Workshop zur Gestaltung der Vorhalteflächen für die A100 (November 2022)

Sonntag, 20. November von 14:00 bis 19:00 Uhr in der „Zukunft am Ostkreuz“, Laskerstraße 5, 10245 Berlin

Ergebnisse (aus der Veranstaltungsdokumentation)

Ein grünes Band durch Berlin

Die geplante Verlängerung der A100 passt nicht in unsere Zeit, sie fördert eine Mobilität von gestern und verwandelt die Stadt in eine Betonwüste. Deswegen sind wir am 20. November in der Zukunft am Ostkreuz zu einem Workshop zusammengekommen, um gemeinsam Ideen für die Vorhalteflächen Alt Stralau 68 zu entwickeln, jener Fläche, wo – wenn es ganz schlecht laufen sollte – mal die A100 lang gehen wird.

Der geplante 17. Bauabschnitt der Stadtautobahn bedroht das Areal am Ostkreuz, das ohnehin schon durch private Bauvorhaben wie etwa die von Trockland oder Pandion betroffen ist. Die Autobahn würde über die Spree und unter dem Ostkreuz hinweg zur Frankfurter Allee und zur Storkower Straße führen. Zu der mehr als vier Kilometer langen Trasse soll ein Doppelstocktunnel gehören – in einem Wohnviertel. Unser längerfristiges Ziel ist natürlich die Verhinderung des Abschnittes, doch wir wollen auch einen Blick in die Zukunft werfen und manifestieren, was wir uns für die Freiflächen wünschen.

Die Auftaktveranstaltung dieses Projekts von Suppe&Mucke war ein Nachbarschaftsfest in der Villa Kuriosum, die bereits auf einer Vorhaltefläche steht und als Best-Practice Beispiel das Potential dieser Flächen aufzeigt.

Im November haben wir lokale Initiativen und Vereine eingeladen und gefragt, wie wir eine Fläche nutzen wollen, die uns als Bürger*innen im besten Fall erhalten bleibt. Die etwa 40 Teilnehmenden haben sich während des Workshops in drei Gruppen zusammengeschlossen. Hier ihre Ideen für eine gemeinwohlorientierte, längerfristige und soziokulturelle Nutzung der Flächen:

Wohnen statt Autobahn und Grünes Wohnzimmer

„Die Autobahn treibt mich um“, sagt eine Anwohnerin im Laskerkiez, während des Workshops der Bürger*inneninitiative A100. Wenn die Autobahn nicht käme, könnte eins der dringendsten Probleme Berlins bekämpft werden: die Wohnungsnot. Ein Teil der Trasse könnte für den Wohnungsbau genutzt werden. Die 53 Hektar Baugelände ließen sich durch einen Baustopp gewinnen, haben der Stadtplaner Tim Lehmann und die Stadtsoziologin Kerstin Stark vorgerechnet. Es gäbe dann Platz für 8.842 Wohnungen. Der Verein Stadtnatur spricht sich gegen die Autobahn als „grauem Band“ Berlins aus. Sie setzen diesem Irrsinn die Idee des grünen Wohnzimmers entgegen, denn “Wohnen ist draußen und zusammen“. Die Auffahrt zur Autobahn zum Beispiel wäre der ideale Ort für einen Bienenstock. Eine große Herausforderung wird die Mobilität am Ostkreuz. Die Gruppe wünscht sich eine Fußgänger*innen-Brücke oder einen Tunnel, um das Ostkreuz schneller zu überwinden.

Jugend und Soziokultur: E-Lok und Clubcommission

Der Jugendclub E-Lok wünscht sich mehr Graffitiwände. „Die Wände verschwinden“, sagt Jens. Die nächste legale Wand ist der Mauerpark. Er sieht bei den Jugendlichen einen „Megabedarf“. Genau wie bei Sportmöglichkeiten. Seit Bodybuilding auf den sozialen Medien wieder ein Ding ist, wollen die Jugendlichen zu McFit. Nicht kommerzielle Orte, wo Sport getrieben werden kann, sind eher selten. Andere Wünsche wie Zirkus und Werkstatt verdeutlichen, dass es auf der Fläche Module braucht, die vielseitig genutzt werden können. Ein weiterer Wunsch der Gruppe ist ein Mahnmal. Während des zweiten Weltkriegs vollendeten Zwangsarbeiter*innen die letzten Kilometer deutscher Autobahnen. Für sie gibt es bis heute keinen Erinnerungsort. Welcher Ort könnte dafür passender sein, als der geplant 17. Bauabschnitt?

Nachhaltiges Selbstorganisieren und die Suche nach Konsens

Einen Raum weiter wird erst einmal über Grundsätzliches diskutiert: Wie können wir uns zusammenschließen? Was ist Selbstorganisation? Wie können wir uns so verbinden, dass unsere Stimme Gewicht hat? Nachdem die ersten Wünsche auf dem Whiteboard stehen, wird schnell klar, dass Konsens schwierig wird. Wer entscheidet wie darüber, was auf den Fläche passiert? In der Gruppe wird über die Nachhaltigkeit des Workshops diskutiert und eine Mailingliste aufgesetzt, die uns helfen soll, unsere Arbeit zu verstetigen. Wir möchten nicht-organisierte Personen einbinden, um gemeinsam eine Entwicklung der Flächen von unten voranzutreiben. Ziel ist ein alternativer Plan. Wichtig dabei: ein klares Ziel und Konsens. So können wir als Ansprechpartner*innen von Bezirk und Verwaltung gemeinsam Einfluss üben.

Fazit

Friedrichshain hat ohnehin schon die höchste Bevölkerungsdichte Berlins – und der Druck auf die Flächen wird noch zunehmen, wenn die geplanten Büros realisiert werden. „Diese Menschen werden irgendwo essen gehen“, ist Jens sich sicher. „Es kommt viel auf uns zu“. Eine Strategie, um Konflikten vorzubeugen, ist Kommunikation. Die Clubcommission will die Anwohnenden im Vorfeld informieren, wenn z.B. Open-Airs geplant sind. Doch einige Wünsche werden in Konflikt zueinander stehen. Eine offene Frage bleibt: Wer hat die Verantwortung für die Flächen?

Bei der Abschlusspräsentation stellen die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse vor. Wir sehen in den Vorhalteflächen großes Potential, um die angespannte Situation am Ostkreuz sozial verträglicher zu machen. Es gibt großes Interesse an einer gemeinsamen Vernetzung der verschiedenen Initiativen und Vereine. Offene Fragen sind die Trägerschaft der Flächen: Wer kann bei kollidierenden Wunschvorstellungen im Zweifelsfall vermitteln? Wie können wir uns nachhaltig miteinander vernetzten, um gemeinsam Einfluss zu üben? Wie gewichten wir unsere Wünsche, wenn nicht alle auf der Fläche erfüllt werden können? All dies sind Fragen, die wir im weiteren Prozess aushandeln.

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In Zusammenarbeit von:AKS Gemeinwohl AKS KOOR-Stelle

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