Pressemitteilung des Bündnis SEZ-Quartier neu denken, 27.4.2026
Warum die IBA genau hier und jetzt beginnen muss:
Die IBA als Verfahren – nicht als Schaufenster
Mit der geplanten Internationalen Bauausstellung Berlin 2034–37 formuliert der Senat den Anspruch, neue Wege im Umgang mit der gebauten Stadt zu entwickeln. Im Zentrum stehen dabei Transformation, Klimaanpassung und der Umgang mit untergenutzten Räumen.
Damit knüpft die IBA bewusst an frühere Bauausstellungen an, die nicht nur gebaut haben, sondern vor allem Verfahren verändert haben. Sie waren besonders dann wirksam, wenn sie nicht fertige Lösungen präsentierten, sondern den Rahmen einer internationalen Bauausstellung dazu verwendeten, neue Formen der Zusammenarbeit und der Projektentwicklung zu ermöglichen.
„Die IBA Berlin wird als Ausstellungsrahmen für fertige Projekte nicht funktionieren – sie kann aber das Instrument sein, mit dem wir die nötige Dynamik in die Entwicklungsverfahren bekommen, um die überall vermisste Offenheit für die besten Lösungen in die Projekte zu bekommen. Über integrierte Verfahren für avancierte Projekte könnte Berlin endlich auch in der Stadtentwicklung wieder Strahlkraft bekommen“ betont Thomas M. Krüger, Architekt, Autor und Baukulturvermittler.
Wenn dieser Anspruch für Berlin das Beste herauszuholen ernst genommen wird, muss er sich auf allen Ebenen wiederfinden: in der Konzeption der IBA, im Auswahlprozess der Projekte und in den Verfahren, in denen diese Projekte entwickelt werden.
Das SEZ als prototypischer Ort der IBA


Vor diesem Hintergrund rückt das Gelände des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in eine besondere Rolle. Der Standort erfüllt alle zentralen Kriterien der IBA nicht nur abstrakt, sondern in exemplarisch herausragender Dichte:
Er liegt im räumlichen Bezugsfeld des sogenannten Ringszenarios, an einer Magistrale durch den S-Bahn-Ring und an einem Übergang zwischen Innen- und Außenstadt. Damit liegt er genau an jener Schnittstelle, an der sich Fragen von Verdichtung, Infrastruktur und Freiraum bündeln – und an der sich zugleich übergeordnete Themen wie Stadtklima, Mobilität und Versorgungssysteme konkret verknüpfen lassen.
Zugleich handelt es sich um einen klassischen „schlafenden Riesen“: ein großmaßstäblicher, untergenutzter Bestand mit erheblicher räumlicher, historischer und sozialer Bedeutung.
„Mir scheint die Leitlinien des Senats zur Ausrichtung der IBA Berlin 2034-37 wurden im Angesicht des SEZ formuliert. Es ist ein prototypischer Ort des verdichteten Interesses, denn hier kommen die Fragen, welche die IBA beantworten will, zusammen, wie nirgendwo sonst in der Stadt“ sagt Pedro Moreira, Architekt, Bauhistoriker und Denkmalpfleger.
Zum herausragenden Standort für die IBA wird das SEZ außerdem dadurch, dass sich hier mehrere Themenfelder konkret bearbeiten lassen.
Die IBA muss sofort beginnen – das SEZ kann der Start- und Höhepunkt sein
Ein zentraler Gedanke der IBA ist die lange Laufzeit von Projekten. Komplexe Vorhaben benötigen Zeit – für Planung, Beteiligung und Umsetzung. Deshalb müssen sie frühzeitig beginnen.
Am SEZ ist diese Voraussetzung bereits gegeben: Der Standort ist verfügbar, über ein Bebauungsplanverfahren baurechtlich in Bearbeitung und die räumlichen Strukturen erlauben eine sofortige Aktivierung und schnelle, sukzessive Nutzung.
„Im SEZ kann die IBA Berlin als beteiligende Ausstellung eines laufenden Prozesses sofort Gestalt annehmen und im Jahr 2034 wird dann ein präsentabler Höhepunkt erreicht, der als Publikumsmagnet im Konzept der IBA wichtig sein wird“ sagt Florian Köhl, Architekt und Stadtentwickler.
Zwischennutzungen, Werkstattformate, Ausstellungen und Beteiligungsprozesse können unmittelbar beginnen und in die langfristige Transformation übergehen. Damit entsteht ein kontinuierlicher Prozess, der genau dem entspricht, was eine IBA leisten soll.
Ein Gebäude, das zur IBA passt – weil es sie tragen kann
Das SEZ verfügt über eine räumliche Struktur, die für die IBA-Zentrale selbst prädestiniert ist. Die vorhandenen Flächen ermöglichen parallele Nutzungen als Büro, Werkstatt, Ausstellungsort und Versammlungsstätte. Unterschiedliche Maßstäbe – von kleinen Arbeitsräumen bis zu großen Hallen – sind bereits angelegt und können schrittweise aktiviert werden.
Daraus ergibt sich eine Perspektive, die über das einzelne Projekt hinausgeht: Das SEZ kann zum zentralen Standort der IBA werden – als Arbeitsort und als öffentlicher Raum der Auseinandersetzung und der Repräsentation.
„Das SEZ ist nicht nur ein mögliches Projekt der IBA – es könnte der Ort sein, an dem die IBA ihre eigene Arbeitsweise sichtbar macht“ sagt Magnus Hengge, der das Expert*innen-Bündnis organisiert. „Die Transformation des Gebäudes würde damit nicht nur Gegenstand der IBA sein, sondern Teil ihrer eigenen Praxis.“
Wasser als verbindendes Leitmotiv – vom Wellenbad zur Schwammstadt
Das Thema Wasser ist im Kontext der IBA als klimarelevante Zukunftsfrage gesetzt. Am SEZ ist es darüber hinaus im übertragenen Sinne Teil der ursprünglichen Identität des Ortes.
Das Gebäude barg in seiner ursprünglichen Konzeption ein Wellenbad mit Innen- und Außenbecken. Die architektonische Form des zentralen Baukörpers folgt der Idee einer gebrochenen Welle, die aus dem Park in die Stadt anlandet. Wassernutzung ist hier also nicht nur Medium, sondern prägt die Gestalt des Hauses selbst.
Die Verbindung von Gebäude, technischer Infrastruktur und Stadt-Landschaft ist heute hochaktuell und kann durch eine Transformation an zukünftige Bedarfe und Erfordernisse der Klimaanpassung ausgerichtet werden. Im Zusammenspiel des SEZ-Areals mit dem Volkspark Friedrichshain entsteht ein räumliches System, in dem Fragen von Dachentwässerung, Regenwassermanagement, Versickerung, Kühlung, Parkpflege und Freiraumnutzung zusammen gedacht werden können.
Gleichzeitig wird hier sichtbar, dass Stadt nicht isoliert aus einzelnen Bausteinen besteht: Das SEZ wirkt als sozialer Ort und räumlicher Übergang zum Park, während der Park als Klima- und Freiraumressource für das Gebäude und umliegende Wohnquartiere fungiert. In der Verknüpfung entsteht ein integrierter Stadtraum, der neue Formen urbaner Qualität ermöglicht.
„Am SEZ-Areal lässt sich zeigen, dass Klimaanpassung nicht erst mit Neubau beginnt. Die wesentlichen Potenziale liegen im Bestand und in dessen Transformation zur weiteren Nutzung und Klima-Resilienz“ sagt dazu Ariane Röntz Landschaftsarchitektin und Professorin.
Das SEZ wird damit zu einem konkreten Ort, an dem ein abstraktes IBA-Thema praktisch erprobt und sichtbar werden kann.
Neue Modelle des Bauens – Kreislaufwirtschaft, Umbau und Verfahren zusammendenken
Die IBA setzt sich zum Ziel, neue Wege im Bauen zu erproben. Am Standort SEZ kann exemplarisch gezeigt werden, wie Umbau, Ergänzung und Neubau nicht als Gegensätze, sondern als Teil eines integrierten Ansatzes verstanden werden können. Der Bestand wird dabei nicht als Problem, sondern als Ressource begriffen – sowohl räumlich als auch ökologisch und wirtschaftlich.
Sowohl das Teilprojekt der Bestandstransformation wie das Teilprojekt des umgebenden Wohnneubaus eröffnen die Möglichkeit, zirkuläre Bauweisen, neue Materialien und alternative Vergabemodelle zu entwickeln und zu erproben. Die Einbindung mittelständischer Betriebe und lokaler Bauwirtschaft kann dabei ebenso Teil des Ansatzes sein wie neue Finanzierungs- und Eigentumsmodelle, etwa über genossenschaftliche Strukturen oder Erbbaurechte.
„Wenn wir über Kreislaufwirtschaft sprechen, müssen wir beim Bestand anfangen. Das SEZ ist genau der Ort, an dem sich das konkret zeigen lässt. Z.B. indem im Zentrum ein biologisch betriebenes Natur-Freibad eingerichtet wird, das in Bürgerhand bewirtschaftet wird. Daraus könnte eine Genossenschaft erwachsen, die im nächsten Schritt die Entwicklung von Innennutzungen übernimmt“ regt Theresa Keilhacker an, ehemalige Präsidentin der Architektenkammer Berlin.
Die eigentliche Qualität liegt darin, dass sich diese Fragen hier nicht trennen lassen. Die Entwicklung des SEZ-Areals erfordert ohnehin eine Anpassung der bestehenden Planungsverfahren – ganz unabhängig davon wie die politische Entscheidung über den städtebaulichen Ansatz ausfällt. Genau hier muss der Leitgedanke der IBA ansetzen und dafür sorgen, dass nicht denkfaul versucht wird, eine anscheinend einfache Lösung umzusetzen, sondern dass unterschiedliche Ansätze systematisch geprüft und integrativ weiterentwickelt werden.
„Wenn der Bebauungsplan ohnehin angepasst werden soll, muss er so verändert werden, dass bessere Lösungen einer Kombination aus Bestandserhalt und Neubau möglich werden. Die Entwicklung am SEZ kann zu einem Modellfall für eine zukunftsgerichtete Baupraxis werden, die ökologische, ökonomische und soziale Fragen mit neuen Verfahren der Stadtentwicklung verbindet. Die landeseigenen Wohnungsbauunternehmen sollten diese Herausforderung annehmen und aktiver Träger der IBA-Idee werden“ sagt Katrin Lompscher, Ex-Stadtentwicklungssenatorin.
Die Chance, hier das Richtige zu tun, ergibt sich direkt aus dem Anspruch, den der Senat selbst mit der IBA formuliert hat – jetzt muss er ihn auch einlösen.
Hintergrund:
Diese Stellungnahme bezieht sich auf das IBA-Konzept des Senats, das über die Senatskanzlei im Dokument „Durchführung der Internationalen Bauausstellung Berlin 2034-37“ an das Landesparlament zur Kenntnisnahme übergeben wurde.
Quelle: https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-3097.pdf
Pressekontakt:
Magnus Hengge, Organisation für das Projektbündnis
E-Mail-Adresse: SEZ-Quartier@baustelle-gemeinwohl.de
Telefon-Kontakt über: Magnus Hengge, 0173 3770007
URL und Download: baustelle-gemeinwohl.de/akteure/buendnis-sez-quartier-neu-denken
Das Projektbündnis und seine Outputs werden durch das LokalBau-Team organisiert, über die Baustelle Gemeinwohl Plattform gehosted und damit vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt.



