Die Plausibilisierung zum SEZ wurde erstmals öffentlich diskutiert
Am Donnerstag wurde die Plausibilisierung des Vorschlags des ›Bündnisses SEZ-Quartier neu denken‹ erstmals öffentlich diskutiert. Das Büro 03 Arch. präsentierte seine Ergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Bündnissitzung bei feldfünf. Anschließend diskutierten Planer*innen, Hochschullehrende und Vertreter*innen der Initiativen über die Qualitäten des neuen Ansatzes und die nächsten Schritte.

Die Grundidee von 03 Arch. wurde dabei als überzeugender Fortschritt wahrgenommen. Die Studie zeigt, dass der weitgehende Erhalt des SEZ mit dem Bau von rund 600 Wohnungen vereinbar ist. Vor allem aber entwickelt sie einen überraschend einfachen Weg, wie beide Vorhaben schneller und mit klareren Zuständigkeiten umgesetzt werden könnten.


Der Wohnungsbau muss nicht auf den Abriss warten
Der Schlüssel liegt in einer neuen Erschließung der Grundstücke. Die Flächen für den Wohnungsbau können so vom SEZ getrennt werden, dass die WBM eigenständig erschlossene Baufelder erhält. Sie könnte sich dort auf die Planung und den Bau der Wohnungen konzentrieren.





Damit müsste der Wohnungsbau weder den Abriss des SEZ noch die anschließende Freimachung des Geländes abwarten. Auch die schwierigen Fragen nach Nutzung, Finanzierung und Sanierung des Bestands müssten nicht mehr direkt mit dem Wohnungsbau verkettet sein.
Parallel könnte das SEZ durch einen anderen geeigneten Träger entwickelt werden. Für seine Transformation bliebe die notwendige Zeit, um gemeinsam mit der Stadtgesellschaft ein tragfähiges Nutzungskonzept zu erarbeiten und geeignete Partner zu finden.
Bisher hat der Senat, insbesondere Senator Gaebler, stets betont, dass der Erhalt des SEZ den Wohnungsbau komplizierter und deutlich teurer machen würde und wahrscheinlich dazu führen könnte, dass weniger Wohnungen entstehen. Die Plausibilisierung des Bündnisentwurfs rückt diese Erzählung zurecht: Nichts davon muss eintreten. Der Erhalt des SEZ muss den Wohnungsbau nicht verzögern. Die Trennung der Aufgaben könnte ihn sogar erheblich beschleunigen.
Die Trennung darf den Quartiersgedanken nicht zerstören
In der Diskussion wurde jedoch auch vor einem Risiko gewarnt. Werden Wohnungsbau und SEZ-Transformation vollständig voneinander getrennt, könnten am Ende zwei isolierte Projekte entstehen. Die WBM würde ihre Wohntürme errichten, während die Zukunft des SEZ auf einem anderen Grundstück und mit einer anderen Zeitschiene verhandelt wird. Der gemeinsame städtebauliche Gedanke könnte dabei verloren gehen.
Die Qualität des Ansatzes liegt aber gerade im Zusammenspiel: Wohnungen im Park, ein öffentlich zugängliches SEZ als Eingang zum Volkspark und ein zusammenhängender Freiraum sollen gemeinsam ein neues Quartier bilden. Wege, Erdgeschossnutzungen, Freiflächen, Erschließung und Bauabschnitte lassen sich deshalb nicht getrennt voneinander planen.
Die Vorhaben müssen also organisatorisch entkoppelt werden, damit sie sich nicht länger gegenseitig blockieren. Städtebaulich und rechtlich müssen sie zugleich verbindlich miteinander verbunden bleiben.
Dafür braucht es ein neues Verfahren und die Öffnung für Zwischennutzungen
Die Plausibilisierung zeigt, dass eine ernsthafte Alternative zum bisher vorgesehenen Komplettabriss existiert. Der vorgeschlagene Entwicklungsweg würde den Wohnungsbau nicht behindern, sondern könnte ihn sogar beschleunigen.
Damit ist die Grundlage des bisherigen Verfahrens überholt. Jetzt braucht es eine neue politische Aufgabenstellung und ein Verfahren, das die verschiedenen Entwicklungsvarianten gleichwertig untersucht.
Ein gemeinsamer Masterplan muss festlegen, wie Wohnungsbau, SEZ und Park räumlich zusammenwirken. Städtebauliche Verträge und weitere rechtliche Sicherungen müssen anschließend garantieren, dass öffentliche Wege und Nutzungen, Freiräume, Erschließung, Bauabschnitte und die Transformation des SEZ tatsächlich gemeinsam umgesetzt werden. Um das Verfahren vorbildlich zu entwickeln, scheint der Rahmen der geplanten IBA BERLIN 2034-37 optimal, womit auch die schnelle Öffnung des Hauses für Pionier- und Zwischennutzungen verbunden sein sollte.





Die Realteilung kann die Blockade lösen. Sie darf aber nicht dazu führen, dass der Zusammenhang des Quartiers nur eine unverbindliche Idee bleibt. Getrennt entwickeln, gemeinsam planen und verbindlich sichern – darin liegt die eigentliche Chance des neuen Ansatzes.



